Sie sind hier

Kontakt

02941/4065

info@hanse-kolleg.de

Sprechzeiten:
Montag bis Donnerstag
 8.00 - 12.00 Uhr und
15.00 - 18.00 Uhr
Freitag
 8.00 - 12.00 Uhr

Lothar E.

In unserer siebten Erfolgsgeschichte hat Lothar E. unsere Fragen beantwortet. Er ist 52  Jahre alt und lebt mit seiner Frau und Tochter in Köln.

Als Maschinenbauingenieur leitet er das Projektmanagement sowie die Montage und Inbetriebnahme für die Herstellung von stahlerverabeitenden Anlagen im In-und Ausland. Vom Stahlwerk bis zur Herstellung veredelter Produkte erfordert diese Aufgabe ein professionelles und internationales Management.

Während seiner nunmehr fast 24 Berufsjahre nach dem Studium hat er mehrere Jahre im Ausland verbracht. So zählen Qatar, Polen, die USA, Korea, China, die Türkei und andere Länder zu seinen Stationen. Zuhause ist Lothar jedoch in Köln, wo er an der Rheinischen Fachhochschule Maschinenbau studiert hat.

1987 hat er am Abendgymnasium – so hieß das Hanse-Kolleg damals-  berufsbegleitend Abitur gemacht.

Lothar

Lothar E.

Lothar: Ich erhalte in meiner Funktion viele Lebensläufe, und wenn ich sehe, dass jemand so einen Abschluss neben der Berufstätigkeit gemacht hat, dann ziehe ich den Hut und weiß, die ziehen auch im Leben richtig durch.

Q: Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen?

Lothar:  Das war recht einfach. Nach zehn Jahren als Betriebsschlosser war mir klar, dass ich die weiteren vierzig Berufsjahre anders gestalten möchte. Ich habe mich informiert, und es boten sich verschiedene Wege an: Meisterschule, Fachabitur oder Abitur am Abendgymnasium. Am Abendgymnasium waren beide Möglichkeiten zu einem Abi gegeben, das war mir wichtig. Ich schau mal, wieweit ich komme…das war mein Ansatz. Das Abitur ist auch heute noch ein wichtiger Abschluss, den man erreichen sollte,- eine Reife, die  es zu bestehen gilt.

Q: An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Lothar:  Wir sind zweimal nach Paris gefahren. Eine tolle Stadt!

Ich erinnere mich noch gut an unseren Mathe-Lehrer Herrn Z. Ihm verdanke ich einen großen Teil meines Weges; er hat uns Mathe so vermittelt, dass es Spaß gemacht hat. Es war ein anderes Lernen, ein anderes Herangehen. Was ich bei Herrn S. in Englisch gelernt habe, war ebenfalls sehr wertvoll für meinen weiteren Weg. Das Lernen unter Erwachsenen war ganz neu und anders, die Motivation der Schüler ist ja auch völlig anders. Mir hat die Lernatmosphäre sehr gut gefallen. Ich habe ganz andere Menschen kennengelernt, als die, die ich vom Beruf her als Betriesbschlosser kannte. Die Altersstruktur war sehr breit gefächert. Außerdem wurde ich mit völlig anderen Themen konfrontiert. Neben der Arbeit zur Schule zu gehen war für alle schwer. Die vier Jahre waren mitunter recht anstrengend.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Lothar:  Nur zu Walter B. habe ich noch Kontakt. Wir sehen uns immer mal wieder, wenn ich in die alte Heimat nach Neubeckum fahre. Ich schätze ihn als alten Weggefährten und als Optikermeister kümmert er sich um meinen Durchblick. Zu den anderen habe ich leider mit der Zeit den Kontakt verloren.

Q: Gibt es etwas im Zweiten Bildungsweg, das Sie besonders geprägt hat?

Lothar:  Mehr als alles andere habe ich Durchhaltevermögen gelernt. Ich musste mich richtig anstrengen. Durchhaltevermögen ist bei meiner Arbeit und den Projekten sehr wichtig. Ich erhalte in meiner Funktion viele Lebensläufe, und wenn ich sehe, dass jemand so einen Abschluss neben der Berufstätigkeit gemacht hat, dann ziehe ich den Hut und weiß, die ziehen auch im Leben richtig durch.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst, beziehungsweise verändert?

Lothar:  Bildung war für mich der Schlüssel, meine Zukunft/Berufsleben zu verändern. Die Schule hat eine Tür geöffnet. Für mich waren jetzt alle Möglichkeiten gegeben. Ich wollte mich verändern und studieren, aber das Fach war zunächst noch unklar. Von meiner beruflichen Vorbildung her lag ein Maschinenbaustudium nahe. Weil ich ein zielorientiertes Studium absolvieren wollte, habe ich die Rheinische Fachhochschule gewählt, und so bin ich nach Köln gelangt. Das war immer noch ein bisschen wie Schule und die Dauer des Studiums war überschaubar.

Q: Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem Zweiten Bildungsweg?

Lothar:  Meiner Meinung nach waren wir als Absolventen des Abendgymnasiums gut auf ein Studium vorbereitet und mit den anderen Abiturienten durchaus vergleichbar. Nur in Physik musste ich viel nachholen. In meinem Leistungskurs Biologie hatte ich zwar viel gelernt, doch nutzte mir dieses Wissen nicht viel für mein Studium. Ich bin davon überzeugt, dass Schüler des Abendgymnasiums eher befähigt sind, das Studium auch wirklich abzuschließen. Von den fünfzig Studenten meines Semesters hat nur die Hälfte bis zum Abschluss durchgehalten.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung? …und heute?

Lothar:  Musik hören, spielen… damals habe ich Gitarre gespielt, aber Schlagzeug war immer mein Wunsch. Damit habe ich während meines Aufenthalts in Amerika angefangen.

Q: Welche Musik haben Sie und Ihre Klassenkameraden damals gehört?

Lothar: Die Rolling Stones, Van Morrison, um nur wenige zu nennen - die Songs mag ich auch heute noch. Damals habe ich viel Radio gehört, aber auch Schallplatten. Davon habe ich heute noch einen ganzen Keller voll, und meine Tochter ist ganz wild darauf. Ich spiele Schlagzeug  in einer Band, die aus einem Musikschulkurs hervorgegangen ist. Wir haben kleine Auftritte hier in der Umgebung, mal in einem Biergarten… aber wir haben keine großen Ambitionen und sind eine lockere Gruppe, die einfach Spaß daran hat.

Q: Welches ist Ihr aktueller Lieblingsfilm?

Lothar:  Ich bin kein wirklicher Filmfan. Ich gucke gerne „Tatort“, wenn ich im Fitnessstudio trainiere. Zuhause schauen wir wenig fern.

Q: … und Lieblingsbuch?

Lothar:  Meine neunjährige Tochter Lea liest sehr gern, und ich habe ihr immer viel vorgelesen. Mir gefiel es sehr, einen Einblick in die Literatur zu bekommen, die Kinder heute mögen. In Kinderbüchern steckt eine Menge Lebensweisheit. Sonst lese ich eher Fachliteratur.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Lothar:  Grün.

Q: Ihre Lieblingsblumen?

Lothar:  Rosen.

Q: Was haben Sie fürs Leben mitgenommen?

Lothar:  Ich habe erkannt, dass alle Türen offen stehen, wenn man den entsprechenden Willen entwickelt. Mir hat sich die richtige Lernatmosphäre geboten, in der ich eine Offenheit für neue Dinge entwickeln konnte. Das brauchte ich. Mir wäre die Routine in meinem Schlosserleben auf Dauer zu langweilig gewesen.

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

Lothar:  Jeder hat seine besonderen Talente und seinen Platz im Leben. Man muss nicht für alles talentiert sein, mit Anstrengung und Konsequenz kann man auch vieles erreichen.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie bei Mitstudierenden geschätzt?

Lothar:  Die Solidarität. Wir waren uns gegenseitig eine Stütze, haben uns auf unserem gemeinsamen Weg gefördert und gefordert. Oft haben wir gemeinsam gelernt und die vielen neuen Inhalte zusammen erobert. Unsere Gruppe war in ihrem Lernwillen homogen. Alle hatten ein gemeinsames Ziel, und wir waren für die Schulzeit eine verschworene Gemeinschaft.

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie bei LehrerInnen?

Lothar:  Ich glaube, es ist nicht einfach, sich mit Erwachsenen auseinander zu setzen, diese Lerngruppe richtig anzusprechen und sie zu motivieren. Die Gestaltung des Stoffplans war noch relativ frei (Anm.: im Gegensatz zu den vorgeschriebenen Inhalten beim Zentralabitur heute) Ich fand es immer wieder bemerkenswert, wenn es den Lehrern gelang, den Schülern Spaß an neuem Stoff zu vermitteln und ihnen den Zugang zu komplizierten Inhalten zu ermöglichen.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Lothar:  Man müsste eigentlich erst mal überlegen: „Was sind Fehler? Wo kommen sie her?“, so finde ich. Ich mag keine Wiederholungstäter! Fehler sind verzeihlich, sie passieren einfach, dauernd, das ist nichts Schlimmes. Man kann daraus lernen, sich neu aufstellen, sich neu orientieren, es besser machen. Aber wiederholen ist schlimm.

Q: Was konnten Sie nach Ihrer Schullaufbahn besser als vorher?

Lothar:  Mathe J.

Das Abi gemacht zu haben, ermöglicht einen anderen Blick auf die Welt. Man erlangt eine differenziertere Sicht, man entdeckt mehr Dinge, die ich vorher nicht gesehen habe, und nimmt sie ganz anders wahr. Neugierig war ich immer schon, aber man muss auch den Mut haben. Es erscheint mir zu früh, dass jetzt das Abi mit 17 abgeschlossen wird. Ich hatte das Gefühl, das Abi hat mich wesentlich weiter gebracht.

Q: Ihr Lebensmotto?

Lothar:  Schwarz oder Weiß. Ich akzeptiere Umwege, aber keine Schlangenlinien. Es geht nicht immer nur geradeaus, aber ich entscheide mich für rechts oder links. Man muss eine Entscheidung durchhalten, nicht ständig suchen, ob man noch etwas Besseres findet; man muss  respektieren, was kommt, - aber keine Energie vergeuden, um in den Rückspiegel zu gucken (ob man vielleicht etwas verpasst hat).

Q: Ihr Traum vom Glück?

Lothar:  Ich habe eigentlich alles zum glücklich sein. Das Wichtigste, was man sich wünschen kann, ist Gesundheit und Menschen um einen herum, die man liebt und die einen lieb haben. Ich habe schon viele Eremiten in meinem Job getroffen, Menschen, die zwei Leben in verschiedenen Kulturen haben, aber das funktioniert meistens auf Dauer nicht, denn die Beziehungen und der Austausch mit seinem Umfeld sind ein wesentlicher Rückhalt für das, was man tut und leistet.

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Lothar:  Neugierig sein! Durchhalten!  Es lohnt sich, Ziele zu erreichen. Zuerst ist vielleicht der Weg das Ziel. Im ersten Semester wusste ich noch nicht, was daraus werden würde, aber man nimmt immer etwas mit, auch wenn man scheitert.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.