Sie sind hier

Manuela Lohnherr

In unserem dritten Interview hat sich Manuela Lohnherr unseren Fragen gestellt. Ihre Erfolgsgeschichte am Hanse-Kolleg beginnt  im Wintersemester 2006/07.

Manuela ist 30 Jahre alt und hat gerade ihr Studium der Tiermedizin in Hannover beendet. Sie wird im Mai in einer Tierarztpraxis in Delbrück ihre erste Stelle antreten. Das Abitur hat sie im Jahre 2009 mit der Traumnote 1.0 am Hanse-Kolleg bestanden.

Manuela Lohnherr

Manuela: Es war eine schöne Zeit am Abendgymnasium. Ich habe viele nette und interessante Leute getroffen und viel Neues gelernt.

Q: Wo leben Sie zur Zeit?

Manuela: Im Augenblick wohne ich wieder bei meinen Eltern, das war für die  stressige Examenszeit eine gute Lösung. Für die Zukunft, wenn ich meine  neue Stelle angetreten habe, werde ich mir bestimmt eine eigene Wohnung suchen.

Q: Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen?

Manuela:  Ich habe als Industriekauffrau bei der Hella gearbeitet, und als mein Vertrag auslief, habe ich mich im Internet nach  Möglichkeiten  der Weiterbildung umgesehen. Das Weiterbildungskolleg der Stadt Lippstadt (WBK)  war genau das Richtige.

Q: An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

 Manuela:  Die Schulzeit war insgesamt super!  Es hat Spaß gemacht zu lernen, weil man mit einer ganz anderen Motivation  daran gegangen ist. Wir waren ja zuerst ein Riesenjahrgang, 90 Studierende, und  das hat sich natürlich nach dem ersten Jahr reduziert. Es gingen die, die nicht wirklich wollten. Aber dann  war es eine entspannte Atmosphäre, wir haben so viel gelacht, ein witziges Ambiente, nette Klassenkameraden. In der Realschule, die ich vor der Ausbildung besucht hatte, war man ja noch Kind und schüchtern. Jetzt waren nur  Leute hier, die  etwas lernen wollten . Wir hatten weniger Hemmungen und ein ganz neues Verhältnis zum Lernen.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Manuela:  Ja, mit vier Klassenkameraden halte ich noch regelmäßig Kontakt; Jens  kannte ich sogar noch aus der Realschule. Wir treffen uns öfter und amüsieren uns auch nach Jahren noch über besonders witzige Situationen aus dem Unterricht.

Q: Gibt es etwas im Zweiten Bildungsweg, das Sie besonders geprägt hat ?

Es ist vor allem das erwachsene Miteinander in einer Lernsituation, die man sich selbst ausgesucht hat. Mit 22 war das Lernen noch nicht besonders schwer. Ich habe auch im Hinblick auf mein späteres Studium zusätzlich  Chemie und Physik belegt. Später im Studium  war es schon wesentlich stressiger, die Prüfungstermine folgten eng aufeinander, das Lernpensum war viel umfangreicher.

Aber wichtig in der Schule war vor allem, dass man als Erwachsener respektiert wurde. Da machte Lernen auf einmal Spaß, sogar in Fächern, für die man sich vorher nie interessiert hatte. Der Unterricht hat uns gut auf das Abitur vorbereitet, alles war sinnvoll strukturiert, sodass man dann vor den Prüfungen auch gut wiederholen konnte.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst, beziehungsweise verändert?

Manuela: Ich hatte eigentlich nicht den richtigen Beruf gewählt, vielleicht aus Vernunftgründen. Durch die Schule und das Abitur eröffneten sich neue Chancen und Berufspläne. Ich hatte immer schon Interesse an Tieren, und bei einem Praktikum beim Tierarzt wurde mir klar: Ich wollte selbst Verantwortung im Umgang mit Tieren übernehmen. Meine Eltern haben mich immer unterstützt, aber ich wollte das auch nicht ausnutzen, deshalb habe ich auch mein Erspartes für die Schulzeit und die Studienzeit verwendet. 

Q: Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem Zweiten Bildungsweg?

Manuela: Ich habe deutlich bessere Noten erreicht, als ich es damals in der Regelschule geschafft hätte.  Gerade in der Tiermedizin spielt der hohe NC (1,4) eine große Rolle, und mit meinem Zeugnis konnte ich sofort anfangen zu studieren, während meine Kommilitonen häufig Wartesemester oder sogar eine Ausbildung  hinter sich hatten. Die wenigsten konnten gleich nach dem Abi mit dem Studium beginnen, und so bestand  nicht mal ein  Altersunterschied  zwischen ihnen und mir.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung?  (und heute?)

Manuela: Eigene Tiere zu haben  war für mich immer sehr wichtig. Ich habe ein Pferd, aber während des Studiums bin ich leider nicht mehr so viel zum Reiten gekommen. 

Q: Welches sind Ihre aktuellen Lieblingsfilme?

Manuela: Ich gehe eher selten ins Kino, sondern schaue lieber Serien wie zum Beispiel die Sitcom Big Bang oder Supernatural. Die gab‘s übrigens damals schon. Es macht mir mehr  Vergnügen, wenn man Charaktere und Handlungen in ihrer Entwicklung weiter verfolgen kann. Bei einem Film ist  alles immer so schnell zu Ende.

Q: Welche ist Ihre Lieblingsfarbe?

Manuela: Das kann ich gar nicht so genau sagen, es sind eher mehrere.

Q:Welche ist Ihre Lieblingsblume?

Manuela: Eigentlich mag ich alles, was in der Natur wächst und blüht, zum Beispiel Löwenzahn.

Q: Was haben Sie aus der Schule fürs Leben mitgenommen?

Manuela: Ich habe Freunde gewonnen, die mir auch jetzt noch wichtig sind. Ich habe auch viel für das Studium gelernt, besonders das kognitive Herangehen an den Lernstoff, dass man versteht und sich selbst etwas erarbeiten kann. Auch an Allgemeinbildung habe ich viel dazugelernt. Zum Beispiel die Theaterfahrt bot etwas völlig Neues für mich; ich hätte nie gedacht, dass mich das interessieren könnte, und ich würde gern mal wieder mitfahren. Leider lagen während der Studienzeit immer genau die Prüfungen zu dem Termin.

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

Manuela:  Ich hätte mir im Studium oft ein fotografisches Gedächtnis gewünscht. Talente hängen oft auch ab von der Lebenssituation, in der man sich befindet.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie bei Mitstudierenden geschätzt?

Manuela:  Das gemeinsame Lernen und Diskutieren,-- dass man verschiedene Ansätze und Aspekte kennenlernt, sich auf eine andere Wahrnehmung einstellen muss, sich austauscht, Toleranz übt. Hilfsbereitschaft ist wichtig, die Gruppe ist immer mehr zusammengewachsen und es entstand ein Miteinander gerade auch gegen Ende  vor den Prüfungen. Wir haben zum Beispiel zusammen Mathe gelernt. Es ist ja bei manchen Fächern so, dass man erst Dinge lernen muss, damit man darüber reden kann, damit arbeiten, Probleme verstehen (z.B. Bio oder Geschichte), in Mathe hingegen ist es umgekehrt, da muss man erst verstehen, und dann kann man die Probleme lösen,--  also von der Anschauung zur Regel oder dann von der Regel zur Anschauung.

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie bei LehrerInnen?

Manuela:  Die positive Erfahrung am Hanse-Kolleg besteht darin, dass man gemeinsam mit den Lehrern etwas erarbeitet. Wir hatten einfach das Gefühl, die Lehrer hatten ein echtes Interesse an uns Studierenden, wollten sie zur Leistung pushen, sie waren bereit, auf den  einzelnen einzugehen. Das Menschliche ist es, was mir an der Schule so gut gefallen hat. Die Vermittlung des Lernstoffes war optimal.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Manuela: Natürlich gibt es Fehlverhalten und Verbrechen, die nicht entschuldbar sind. Aber so im Alltag ist grundsätzlich  alles zu entschuldigen, wenn der Betreffende sich entschuldigt und Einsicht zeigt. Fehler dürfen eben nicht übergangen oder totgeschwiegen werden.

Q: Was konnten Sie nach ihrer Schullaufbahn besser als vorher ?

Es war schön  Allgemeinbildung zu erwerben, Geschichte, Theater, deutsche Literatur kennen zu lernen. Auch die strukturierte Herangehensweise an neuen Lernstoff und das selbstständige Erarbeiten, konzentriertes Lesen und das Wichtigste zu erkennen , habe ich gelernt.

Q: Ihr Lebensmotto?

Manuela: Ich möchte etwas machen, etwas erreichen! Ich will nicht „rumeiern, lieber straight ein Ziel verfolgen. Man kann nicht darauf warten, dass einem alles zufliegt!

Q: Ihr Traum vom Glück?

Manuela: Ich bin schon angekommen im Glück, jetzt gerade! Studium geschafft, einen sicheren Job gefunden, der noch dazu in der Nähe meiner Familie und Freunde liegt. Das ist Glück. –-  Aber der Traum vom Glück ändert sich im Leben, je nachdem, wie man sich weiterentwickelt.

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Manuela: Mitarbeiten, sich einlassen, Spaß haben! Alles ist eine Bereicherung, auch wenn sich kein Studium daraus ergibt.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.