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Marcus Rogozinski

In unserer zweiten Erfolgsgeschichte hat Marcus Rogozinski , Abiturjahrgang 1992, unsere Fragen beantwortet.

Marcus ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat 2 Söhne. Als Bootsbauer hat er seinen Meister gemacht  und besitzt seit 2009 eine eigene Bootswerft in Esbeck, wo er Segel-und Motorboote, gerne auch historische Modelle, restauriert . Er war immer gern am Wasser, im Wasser, auf dem Wasser unterwegs und hat seinen Traum zum Beruf gemacht.

Marcus: Ich hab so viele Ideen, die reichen für 3 Leben, und ich bin glücklich, wenn ich immer wieder einige davon umsetzen kann. Wenn du möchtest, dass eine Sache  so und so wird, dann mach sie selbst!

 Q: Wie sind Sie  zum Hanse-Kolleg, damals noch Abendgymnasium, gekommen?

Marcus: Während des Zivildienstes hatte ich einen Kollegen, der abends immer noch für die Schule lernte, um Abitur zu machen. Das will ich auch, dachte ich; und so habe ich angefangen. Dreieinhalb Jahre hat es gedauert.

Q: An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Marcus: Besonders die Theaterfahrten mit K. Münster waren wirklich toll. Wenn man aus Lippstadt kommt, dann bietet so eine Woche in Berlin ein besonderes kulturelles Angebot. Ein charismatischer Leiter war K. Münster! Er hat die Stücke  jedes Mal sehr gut ausgesucht, das hat viel Freude gemacht. Toll, dass es diese Fahrt immer noch gibt!

Insgesamt hat mir das Lernen nach der Arbeit gut gefallen. Ich habe auch meine Meisterausbildung später neben der Arbeit am Abend gemacht.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Marcus: Lange zeit hatte ich noch mit Christian R. Kontakt, auch mit Stefan A., doch dann sind die Verbindungen abgerissen, man lebt sich auseinander. Wir alle haben uns einmal bei Bernd M.s 50. Geburtstag in Warstein wiedergesehen, das war sehr schön. Auch über Facebook findet man manchmal jemanden wieder.

Q: Gibt es etwas im Zweiten Bildungsweg, das Sie besonders geprägt hat?

Marcus: Man lernt immer etwas dazu, das hört nie auf, und ich würde es jederzeit wieder  machen. Man muss aber schon  vorher eine Bereitschaft mitbringen, nach der Arbeit  sich nochmal hinzusetzen. ich habe damals als  Maschinenschlosser bei B. gearbeitet, und als Handwerker kann man nicht immer pünktlich Feierabend machen. Trotzdem habe ich in den ersten Jahren die Extra-Kurse in Philosophie und Kunstgeschichte belegt. Das fing ja schon nachmittags an, sodass ich dann von 17.00 Uhr bis 21.30 in der Schule war. Das hat Spaß gemacht, nur im letzten Jahr vor dem Abitur  wurde es mir dann zu anstrengend.

Q: Wie hat die Schule Ihr  Leben beeinflusst, bzw verändert?

Marcus: Man hat eine klare zeitliche Regelung, der Tag hat eine feste Struktur, und es bleibt wenig verplanbare freie Zeit. Dennoch haben meine Freundschaften nicht darunter gelitten, wir hatten ja noch die Wochenenden zusammen. Wir sind auch viel mit den neuen Freunden aus der Schule sogar nach dem Unterricht  noch ‘rausgegangen.

Das Schöne ist: der  Drang, den man als Kind hat, Neues zu lernen, den Wunsch nach Veränderung und Neuanfang das kann man sich auf diese Weise erhalten. Auch jetzt habe ich noch Wünsche, Neues zu lernen oder auszuprobieren: zum Beispiel Schwedisch lernen, eine  Gitarre für meinen Sohn selber bauen……. Wenn man zur Schule geht, dann bleibt man drin, da fällt  es leichter.

Q: Glauben Sie, dass man Ihre Herkunft aus dem zweiten Bildungsweg erkennt?

Marcus: Heute nicht mehr. Als Selbstständiger hat man sowieso eine besondere Arbeitseinstellung. Aber als ich  mein Studium (DE/ EN) in Dort-mund begann, da fühlte ich mich als Neuling an der Uni deutlich älter als die anderen Studenten. Man hat  einen ganz anderen Hintergrund, bringt seine Geschichte mit. Ich möchte diese Zeit nicht missen: ich habe sehr nette Menschen kennengelernt, interessante Reisen gemacht,- doch am Abend habe ich mich oft gefragt: Was hast Du Sichtbares geschaffen? Und da habe ich gemerkt, ich möchte zurück zum Handwerk. Zufällig las ich in einer Zeitschrift von einem Bootsbauer, der sich selbstständig gemacht hatte. Das wars! Schon mit meinen Eltern war ich gesegelt, liebte das Wasser, und irgendwer muss die Boote doch bauen, fiel es mir wie Schuppen von den Augen.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung? (und heute?)

Marcus: Mein Vater war schon im WSC Lippstadt  engagiert, er hat mir die Liebe zu Booten und zum Wasser mitgegeben. Ich habe dann eine Lehre als Bootsbauer gemacht, später auch meinen Meister. Auch heute gehört der Sport zu meinen Lieblingsbeschäftigungen, auch wenn ich in den letzten Jahren oft zu wenig Zeit dafür hatte. Aber im letzten Sommer  bin ich mit meinem Sohn in Holland gesegelt.

Q: Welche Musik haben Sie damals gehört?

Marcus: Mein Musikgeschmack ist sehr beständig: Bob Dylan, die Stones, Country, Johnny  Cash hörte ich damals gern, und das ist bis heute so geblieben. Inzwischen sind klassische Konzerte dazugekommen, besonders auch, weil meine Frau im Konzertchor Lippstadt singt.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe:

Marcus: Definitiv  BLAU

Q: Welches Ihre Lieblingsblume?

Marcus: Sonnenblumen find‘ ich total super, im Grunde alles , was im Sommer blüht; aber auch die ersten Krokusse , wenn sie im Frühling aus der Erde kommen, finde ich schön.

Q: Was haben Sie fürs Leben  aus der Schule mitgenommen?

Marcus: Man kann solche Lebensmaximen ganz schwer nur einem einzigen Lebensabschnitt zuordnen. Das Abendgymnasium hat damals meinem Lebensstil entsprochen, tagsüber wäre ich nie zur Schule gegangen (und bin es in der Regel-Schulzeit auch nicht gern). Wichtig ist mir: der Drang, Neues zu lernen, bleibt erhalten.

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

Marcus: Es ist müßig, sich das zu überlegen, weil mans ja eh nicht hat. Ich bedaure vielleicht, dass ich nicht genug Zeit habe, all das zu lernen, was ich gerne möchte. Das lässt mich aber nicht an meinem Talent zweifeln, es ist eher die fehlende Zeit……….. ich komme immer mehr dahin, dass ich zufrieden bin mit dem, was ich kann, und was ich noch vorhabe. Ich hänge gewissen Dingen, die ich nicht kann, nicht hinterher. Alles läuft gut; ich strebe eher eine Gelassenheit an, dass ich akzeptiere, was ich kann, habe und was ich bin. Ich denke dabei an Edgar Wibeau in Plenzdorfs „neuen Leiden des jungen Werther“, der sagte, ich werde das, was ich werde.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie bei Mitstudierenden, oder auch bei LehrerInnen  geschätzt?

Marcus: Angenehm war, dass wir Studierenden schon ein gewisses Alter hatten; man reibt und prügelt sich nicht mehr, es ist ein anderer Umgang miteinander, fast freundschaftlich, sogar mit den Lehrern, obwohl hier immer eine gewisse Distanz gewahrt wurde. In einem solchen Arbeitsklima ist es ein Miteinander-Lernen; man muss sich nicht gegen die Mitschüler durchsetzen und abgrenzen, man muss nicht gegen die Lehrer lernen. Ich bin jeden Abend gern hingegangen. Es gab eine verständnisvolle Akzeptanz von Seiten der Lehrer: jeder von uns hatte einen langen Arbeitstag hinter sich, war auch manchmal müde oder erschöpft; jeder brachte seine eigene Geschichte mit, war erwachsen, stand im Leben.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Marcus: Es wäre schrecklich, wenn man nicht verzeihen könnte, denn wir sind alle Menschen, es ist menschlich, viele Fehler zu machen. Ich entschuldige ganz klar, wenn es dem Gegenüber leid tut, er müsste aus seinen Fehlern  lernen. – Wenn jemand seinen Fehler nicht einsieht, nicht um Entschuldigung bittet, dann gibt es eben  nichts zu entschuldigen.

Q: Was konnten Sie nach Ihrer Schullaufbahn besser als vorher?

Marcus: Französisch! J Das fehlte mir nämlich vorher in der Realschule, weil ich naturwissenschaftliche Fächer gewählt hatte. Auch was wir in Mathe gelernt haben, hat mir einiges gebracht bei meiner Ausbildung als Bootsbauer. Man liest auch Bücher anders als vorher…….- man lernt Metaphern zu benutzen ;-)

Q: Ihr Lebensmotto?

Marcus:  Nicht aufhören Neues zu beginnen, ja sogar ein bisschen „bescheuert“ bleiben,  Verrücktes zulassen. Ich möchte immer wieder neue Wege  beschreiten, nicht auf ausgetretenen Pfaden bleiben. Ich habe Spaß, mir was Neues auszudenken, Ideen umzusetzen, nicht nur für meinen Betrieb, ich möchte auch z.B. Schwedisch lernen, weil ich schon mehrere Boote aus Schweden geholt und restauriert habe, ich möchte eine Gitarre bauen, das wäre etwas komplett anderes.

Q: Ihr Traum vom Glück?

Da bleibt natürlich das Ziel, eigene, neue Boote zu bauen, ich habe schon Kontakt zu einem schwedischen Konstrukteur aufgenommen. Aber auch die Familie ist für mich ein ganz wesentlicher Bestandteil eines glücklichen Lebens: Eltern, Schwiegereltern, Kinder, dass wir alle so nah beieinander leben, uns gut verstehen, das ist Glück. Hier sein zu dürfen und es zu wollen.

Q: Welchen Rat geben Sie  an jetzige Studierende weiter?

Marcus: Allen, die mich fragen: Was soll ich mit meinem Leben machen? , möchte ich sagen: Nimm die Sachen selbst in die Hand! Hör nicht auf zu spinnen, Dir Sachen auszudenken, Deine Ideen zu verwirklichen! Wenn du möchtest, dass eine Sache  so und so wird, dann mach sie selbst!

Und für die Schulzeit: Mitstudierende nicht am Rande lassen, zusammen arbeiten, vieles im Leben geht leichter zu zweit.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.