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Marion Stijohann

Marion StijohannMarion Stijohann  ist die neunte ehemalige Studierende, die wir für unsere Homepage interviewen durften. Sie arbeitet als Leiterin des innerbetrieblichen Sozialdienstes eines großen Technologiekonzerns mit Hauptsitz in Lippstadt, ist für die Mitarbeiterberatung und das Gesundheitsmanagement zuständig. Sie ist 53 Jahre alt und hat am Hanse-Kolleg 2003 das Fachabitur bestanden. Nach dem Studium der sozialen Arbeit an der Katholischen Hochschule NRW ( 2003-2007) in Paderborn hat sie zunächst bei der AWO gearbeitet, ehe sie ihre jetzige Arbeitsstelle angetreten hat. Dazu sagt sie: „Ich bin froh, dass ich auf die Idee gekommen bin, mich hier zu bewerben. Das passt genau zu meinen Fähigkeiten und beruflichen Wünschen.“

Aber vor ihrer Schullaufbahn hatte sie sich ganz anders eingeschätzt: „Da muss man Mathe machen, das solltest du dir nochmal gut überlegen“.

Doch am Hanse-Kolleg läuft vieles anders als man es sich vorstellt: „Kaum hatte ich den Fuß über die Schwelle gesetzt, dachte ich nicht mehr daran aufzuhören.“

Q: Wo leben Sie zur Zeit?

Marion Stijohann: Seit 26 Jahren lebe ich in Lippstadt. Das war eine große Umstellung für mich, als ich damals aus der Pfalz nach Westfalen kam: Die Menschen waren so anders, ihre Mentalität, ihr Temperament und erst die Sprache! Sie sprachen leiser, weniger und  Hochdeutsch ….

Q : Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen? (damals Abendgymnasium am Vormittag)

Marion : Als mein Mann sich bei einer Firma in Lippstadt beworben hatte, lag bei der Antwort den Unterlagen auch ein Flyer bei zu der Frage,  „Warum es sich lohnt, nach Lippstadt zu kommen“, oder so…. Lippstadt stellte sich als kinderfreundliche Stadt vor, und das Abendgymnasium war einer der attraktiven Gründe. Da habe ich mir vorgenommen ’das machst du‘ , wenn wir dorthin gehen sollten. Doch erst als unser drittes Kind auf eine weiterführende Schule kam, habe ich mit dem Abendgymnasium (heute Hanse-Kolleg) begonnen. Vorher hatte ich als Mutter von drei kleinen Kindern und einem Pflegefall in unserem Hause keine Zeit dafür. Zuerst habe ich dann in einer Zahnarztpraxis gearbeitet, um wieder aktiv in das  Berufsleben  einzusteigen. Vor der Anmeldung am Abendgymnasium hatte ich doch ein bisschen Sorge vor einem Neuanfang und ob ich mich noch einmal so in Frage stellen lassen sollte.(s.o.) Doch der Kontakt mit unserer Nachbarin Frau M.,  die damals Sekretärin am Hanse-Kolleg war, machte mir Mut. Und kaum hatte ich den Fuß über die Schwelle gesetzt, dachte ich nicht mehr daran aufzuhören. Das war ja toll! So habe ich parallel mit meinen Kindern die gymnasiale Laufbahn durchschritten.

Q : An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Marion : Da sind zu allererst die fabelhaften Theaterfahrten mit Herrn M.!

Eine Irlandfahrt mit Herrn Sch., und natürlich die Parisfahrt mit den Französischlehrern. Unser Französischlehrer Herr Sch. war klasse! Endlich machte dies Fach Spaß! Erwachsene Menschen gehen mit erwachsenen Menschen anders um! Der Zugang zum Stoff hatte viel Realitätsbezug, das hat man besonders auch in Mathe gemerkt, Herr Sch. hat mir meine Mathe-Phobie genommen! Der Unterricht hat enorm viel Spaß gemacht! Man zog als Schüler nie den Kürzeren, wenn man anderer Meinung war, weil eine erwachsene Auseinandersetzung stattfand, ein lebendiger, konstruktiver Diskurs. Die Lehrer waren alle souveräne Persönlichkeiten, die eine andere Meinung durchaus vertragen konnten, die Diskussion schätzten. Im Deutschunterricht hat mir der analytische Zugang zu Sprache gut gefallen. Ich glaube schon, dass ich eine große Sensibilität für Sprache habe und die semantischen Felder relativ schnell erkennen und einsortieren kann. Das brauche ich auch jetzt in meinem Job.

Q : Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Marion : Ich habe zu einigen Leuten noch Kontakt: Britta H., Kerstin S., Christiane S., Alex K. , wir treffen uns noch manchmal. Hanna M. und Angelika F. habe ich leider aus den Augen verloren, die Lebenskreise waren einfach zu unterschiedlich.

Q : Gibt es etwas im ZBW (Zweiten Bildungsweg), das Sie besonders geprägt hat?

Marion : Der erwachsene Umgang miteinander, der realitätsbezogene Umgang mit dem Stoff haben Impulse gesetzt, die man in seinem Leben erst später bemerkt. Das Interesse für Psychologie, das ich immer schon hatte, wurde gestärkt, und was ich im Deutschunterricht über die systematische Herangehensweise an Sprache gelernt habe, kann ich in mein jetziges Arbeitsfeld transferieren. Der Umgang auf Augenhöhe hat es mir als Mutter mit drei Kindern, die wenig Zeit hat , leicht gemacht, mich als Mensch akzeptiert und respektiert zu fühlen.

Q : Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst beziehungsweise verändert?

Marion : Die Schule hat mir die Möglichkeit eröffnet, ein Studium zu beginnen, das mich zu meiner ersten beruflichen Tätigkeit in einer psychosomatischen Klinik zurückführen würde. Ich habe als junge Frau schon in  der Psychiatrie in einem therapeutischen Team gearbeitet, das wollte ich eigentlich wieder machen. Doch dann hat sich in meinem Studium ein neuer Schwerpunkt ergeben, der mich zu meiner multiprofessionellen Arbeit jetzt geführt hat. Ich habe  interkulturelle und internationale Soziale Arbeit studiert, ein Schwerpunkt war auch Sozialpolitik. Dafür habe ich  in Rom, London und Brüssel Seminare  besucht und habe verschiedene soziale Systeme kennengelernt. Das hilft mir jetzt bei meiner Arbeit im medizinischen und interkulturellen Bereich; vieles, was ich in meinem Leben beruflich gemacht habe, führe ich jetzt hier zusammen. Die Schule hat mir  einen Pfad aufgezeigt, um das Ziel und den Arbeitsplatz zu erreichen, wo ich heute bin.

Q : Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem ZBW?

Marion : Weil ich das gern erzähle! Ich bezeichne mich  als „Spätberufene“, zum Beispiel in Beratungsgesprächen mit jungen Frauen (auch als ich noch bei der AWO gearbeitet habe), die glauben, sie seien zu alt für einen Neuanfang. Ich habe mit 38 meinem Leben eine Wende gegeben. So eine Aussage bricht das Eis, öffnet den Weg für ein Gespräch über Veränderungen. Beim Coaching muss man die Zuversicht stärken, dass Schwierigkeiten bewältigt werden können. Man formuliert ja nichts vor, der Klient trägt seine Möglichkeiten und Chancen eigentlich in sich, das Coaching macht sie sichtbar und macht Mut. So ein Entscheidungscoaching ist eine offene Sache, ich weiß nie vorher, wohin das Gespräch führt. Es ist meine Aufgabe, dass die Menschen Zuversicht erwerben, Entscheidungen wagen,- meine positive wertschätzende Grundhaltung ist da nur Verstärker.

Meine Erfahrung macht es mir leichter, daran zu glauben, dass Veränderung möglich ist und dass mein Gegenüber eine reelle Chance hat, sein Leben oder die aktuelle Situation zu verändern.

Q : Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung ? (und heute?)

Marion : Ich mache so viele Sachen gern: lesen, reisen, Menschen kennenlernen. Ich lerne schnell Leute kennen, knüpfe ein kleines Netzwerk. Ankommen, da sein, mich wohlfühlen, da gehören Menschen und sich auf sie einlassen dazu. Das macht mich aus und zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.

Q : Welche Musik haben Sie und Ihre Klassenkameraden damals gehört?

Marion : Ich höre nicht so oft Musik, und wenn, dann bin ich nicht dem Mainstream verhaftet: Opern von Verdi oder Bizet, Folk und die Liedermacher der 70iger und 80iger Jahre, Joe Cocker, aber auch Adele oder Leonard Cohen . – Beim Putzen zuhause höre ich die Musik gern ganz laut J .

Q : Welches ist Ihr  aktuelles Lieblingsbuch?

Marion : Da gibt es einige Bücher, die ich mehrmals  gelesen habe:

-  „Die  sieben Töchter Evas“, von Brian Sykes, das ist der Genetik-Wissenschaftler, der das Ötzi-Genom entschlüsselt hat. Er bietet Bio-Facts in Geschichten eingebettet, das ist spannend geschrieben und faszinierend zu lesen.

-  „ Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson gefiel mir, weil die Geschichte  darin so frech umgedeutet wird.

-  „Die Hütte, Ein Wochenende mit Gott“ von William P. Young hat mich beeindruckt, weil Gott darin in so vielen anderen Gestalten vorkommt und die Frage der Theodizee auf ungewöhnliche Weise diskutiert wird.

Ich lese eigentlich alles; wenn ich lerne, also Fachbücher lese, dann gerne ‘was Leichtes nebenher.

Q : Lieblingsfilm?

Marion : Alle schauen jetzt Serien an, und da bin ich auch neugierig geworden. Zur Zeit gucke ich (beim Bügeln) die amerikanische Anwaltsserie „ The good wife“, da halte ich mich gleichzeitig auch im Englischen fit. Auch die Serie „Vikings“ fand ich interessant.

Q : Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Marion : Chanel-Rot!

Q : Welches ist Ihre Lieblingsblume?

Marion : Die Ranunkel                                          

Q : Was haben Sie für’s Leben mitgenommen ?

Marion : Anstrengung lohnt sich. Man lernt , ein Ziel ins Auge zu fassen und den ersten Schritt zu gehen. Die meisten Wege werden nicht gegangen, weil der erste Schritt nicht getan wird.

Q : Welches Talent möchten Sie gern besitzen ?

Marion : Der Herrgott hat’s gut mit mir gemeint, ich bin zufrieden mit den Talenten, die ich habe.

 

Q : Welche Eigenschaften haben  Sie bei  Mitstudierenden geschätzt ?

Marion : Kollegialität, auf einander achten, füreinander  da sein, Informationen weitergeben, achtsam sein.

Q : Welche Eigenschaften schätzten Sie bei LehrerInnen?

Marion : Eigentlich erwarte ich bei allen Menschen die gleichen guten Eigenschaften (s. Frage vorher),  in der Schule :  den wertschätzenden Umgang miteinander, hohe Professionalität, Achtsamkeit im Umgang.

Q : Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Marion : Nahezu alle machen Fehler, der Mensch ist ein fehlerhaftes Wesen, und ich bin ein Gegner jedes Perfektionismus. Perfekt sein wollen verursacht Leid und zieht oftmals destruktive Konsequenzen nach sich. Man sollte Fehler nutzen, um daraus zu lernen und sich weiter zu entwickeln. Fehler ermöglichen Weiterentwicklung à  wie kam es dazu?, wie mache ich es demnächst besser?

Kreativität und Fortschritt werden nur in Systemen möglich, die Fehler zulassen. Verhaltensweisen, die ich schlecht akzeptieren kann, sind stark wertendes Verhalten, Unnachsichtigkeit, Intoleranz. Man soll Fehler nicht vertuschen, sondern analysieren und daraus lernen.

Q : Was konnten Sie nach Ihrer Schullaufbahn besser als vorher?

Marion : Polynomdivision!  J

Q : Ihr Lebensmotto?

Marion : Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Q : Ihr Traum vom Glück?

Marion : Hat sich erfüllt mit meiner Familie, meinem Mann, meinem Leben, wie es jetzt ist.

Q : Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Marion : Die Herausforderung annehmen! Dranbleiben! Sich über jeden Tag freuen, denn es ist –aus der Retrospektive gesehen- eine wirklich sehr schöne Zeit, die ich nicht missen möchte. Es ist eine tolle Chance, eine einmalige Zeit gewesen!                 

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.