Sie sind hier

Kontakt

02941/4065

info@hanse-kolleg.de

Sprechzeiten:
Montag und Mittwoch
  8:00 bis 13:30 Uhr und
14:30 bis 18:00 Uhr

Dienstag und Donnerstag
  8:00 bis 13:30 Uhr und
14:30 bis 16:00 Uhr

Freitag
 8:00 bis 12:00 Uhr

Markus

In unserem 8. Interview hat sich Markus unseren Fragen gestellt.

Seine Erfolgsgeschichte  am Hanse-Kolleg beginnt 1981, da war der gelernte Landwirt eigentlich noch viel zu jung. Über die Vorkurse machte er dann 1984 sein Abitur und ist nun studierter Agrarökonom.
Nach verschiedenen Auslandsaufenthalten in Frankreich, Niger und Mali, wo er in der Entwicklungszusammenarbeit tätig war, konzipiert und organisiert er nun bei einer mittelständischen Versicherung die Qualifizierungsmaßnahmen der Außendienstmitarbeiter. Markus ist 52 Jahre alt, ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und lebt in Köln.

Markus: Immer war es wichtig für mich, Wissen zu vermitteln und weiterzugeben, meine Erfahrungen einzubringen. Lebenslanges Lernen zieht sich durch mein Leben, immer wieder konnte ich Dinge einsetzen, die ich am Abendgymnasium gelernt habe. Es ist meine Berufung, Dinge für andere verständlich zu machen.

Q: Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen?

Markus: Mein Vater war Architekt. Selbstständig sein, kreativ sein, das war für ihn wichtig. Er meinte, geh‘ zum Abendgymnasium, dort wirst du andere Menschen kennenlernen, das ist besser als die normale Tagesschule. Er hat sich auch dafür eingesetzt, dass ich, obwohl ich noch so jung war, im Vorkurs anfangen konnte.

Q: An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Markus:  Mir ist noch ganz vieles in Erinnerung! Zum Beispiel unsere nette Fahrgemein-schaft von Brilon aus. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen, haben diesen Wahnsinnswinter in den 80er Jahren in dem kleinen Fiat in abenteuerlichen Fahrten durchgestanden und uns gegenseitig viel erzählt.- Unsere Klasse war aus total unterschiedlichen interessanten Menschen zusammengesetzt: Köche, Maurer, Elektriker, Bundeswehrsoldaten……, alle standen im Beruf und wollten weiterkommen. Das war enorm motivierend!

Zu den Lehrern hatten wir ein offenes und freundschaftliches Verhältnis, ich habe überall teilgenommen: Theaterfahrten nach Berlin (noch zur Zeit des eisernen Vorhangs!), eine Reise nach Prag, die Theater-AG. Als Schüler stellvertretender Kurssprecher habe ich auch Schulstreiks mitbekommen, weil die Mitbestimmung reduziert werden sollte.

Ein Lehrer, Herr R., hat mich besonders unterstützt und begleitet, als ich mich in einem Kriegsdienstverweigerungsverfahren noch vor dem Verwaltungsgericht verteidigen musste.

Die Englischlehrerin, ein Unikum, ließ mich gar nichts mehr sagen, weil sie mein kanadisches Englisch nach einem Kanadaurlaub nicht akzeptieren wollte. 

Unser Physik-Kurs wurde schnell mein Lieblingsfach, denn in unserer kleinen Gruppe haben wir tolle Sachen gemacht, das hat mich sehr beeindruckt.

Nicht alle der 35 Studierenden haben es bis zum Ende geschafft, wir bildeten eine enge Gemeinschaft, es war eine lehr-und lernreiche Erfahrung. Besonders der Mathe –Lehrer, Herr S., achtete viel auf praktische Anwendung, und das  hat mir viel für mein Leben gebracht.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Markus:  Mit Ludger H. hatte ich noch eine Zeit lang Kontakt, auch mit Ingeborg G., mit zwei Lehrern bin ich bis heute befreundet. Aber durch meinen Lebensweg, der mich oft und lange ins Ausland und dann an andere Wohnorte in der BRD geführt hat, war es schwer, eine Verbindung aufrecht zu erhalten.

Q: Gibt es etwas im Zweiten Bildungsweg, das Sie besonders geprägt hat?

Markus:  Es hat mir vor allem gebracht, dass man sich in andere Lebenslagen hinein-versetzen kann. Man schaut immer erst, was ist das für ein Mensch, wo kommt er her? Diese Horizonterweiterung lässt einen offen werden für andere Lebenssichtweisen.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst, beziehungsweise verändert?

Markus:  Die Fahrgemeinschaft war ein ganz neues Erlebnis für mich. Durch das gegenseitige Erzählen und Diskutieren habe ich viel gelernt, Lebenserfahrung erworben. Ich habe auch heute noch keine Scheu, mich auf etwas Neues einzulassen und Neues zu lernen. Diese Erfahrung hatte ich aus der ersten Schulzeit nicht mitnehmen können. Ich habe Selbstvertrauen erworben und die Gewissheit: wenn Du etwas willst, dann kannst Du es erreichen.

Q: Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem Zweiten Bildungsweg?

Markus:  Mein Lebenslauf ist für viele unvorstellbar, man erkennt das nicht unbedingt sofort, aber das bereichsübergreifende Wissen ist sicherlich meine Stärke, und das wird geschätzt. Ich gehe Dinge ganz anders an, kann besser organisieren, Lösungen finden wegen der übergreifenden Erfahrungen.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung? ….  und heute?

Markus:  Der Austausch mit Menschen war mir immer schon wichtig, ein Thema durchdiskutieren, das gefällt mir auch heute noch. Kommunikation ist für mich das Wichtigste, mein Lebenselixier.

Q: Welche Musik haben Sie und Ihre Klassenkameraden damals gehört?

Markus:  Phil Collins, Kate Bush. Wir hatten auch die Cassetten im Auto. Aber ich bin eher Radio-Musikhörer.

Q: Welches sind Ihre aktuellen Lieblingsfilme?

Markus:  Im Fernsehen –wenn ich dazu komme- mag ich „Terra X“; ich interessiere mich für archäologisches und historisches Alltagswissen: wie und wovon haben die Menschen früher gelebt?  Geschichtliches Wissen, das die Verbindung zu heute herstellt, das fasziniert mich.

Q: … und Ihr Lieblingsbuch?

Markus:  Alle Romane von Dan Brown. Ich lese gern spannende historische Darstellungen.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Markus: Ein kräftiges Himmelblau!

Q: Welches ist Ihre Lieblingsblume?

Markus: Die Sonnenblume.

Q: Was haben Sie fürs Leben mitgenommen?

Markus: Flexibles Aufeinander zugehen; das Umsetzen des Gelernten; nicht lernen , um zu wissen, sondern um etwas damit zu tun, Lösungen zu finden.

Q: Welches Talent haben Sie bei Mitstudierenden geschätzt?

Markus:  In unserem Kurs wurde viel ausdiskutiert, und das Ergebnis wurde respektiert; das war damals möglich, dass man wirklich wusste und zulassen konnte, wie der andere denkt, und jeder durfte auch anderer Meinung sein. Es ging um die Sache, nicht um die gute Note.

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie bei LehrerInnen?

Markus:  Die meisten gaben uns als Erwachsenen die Möglichkeit, auf unsere Art zu lernen, zu diskutieren. Die Lehrer haben sich bemüht, für jeden den richtigen Weg und Ansatzpunkt zu finden, um etwas zu lernen oder zu verstehen.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Markus:  Am wenigsten entschuldige ich fehlende menschliche Wahrnehmung, wenn man sich nur auf die Sache konzentriert und die Menschen nicht wahrnimmt. Am ehesten entschuldige ich, wenn sich einer bemüht etwas zu machen und dabei noch Defizite hat, Fehler macht. Daraus kann man lernen und sich anstrengen, es besser zu machen, aber ein Nicht-Engagement ist für mich unverzeihlich.

Q: Was konnten Sie nach Ihrer Schullaufbahn besser als vorher?

Markus:  Ich habe in dieser Zeit gelernt, Dinge schnell zu erfassen, Lernen zu organisieren. Damals, noch ohne Internet, haben wir geübt, Sachverhalte selbst zusammenzufassen, sich selbst zu organisieren, zum Beispiel zu einem bestimmten Termin etwas fertig zu haben.

Es war toll, dass wir Zeit hatten Fragen zu stellen, das muss auch gelernt werden.

Q: Ihr Lebensmotto?

Markus:  Es gibt für (fast) jede Lebenssituation eine positive Lösung! Das soll nicht naiv klingen, natürlich muss man auch Risiken abschätzen und bedenken. Aber dran bleiben, wenn man etwas verfolgt, die Suche nach Lösungen hört nie auf, eine gewisse positive Hartnäckigkeit  würde ich das nennen.

Q: Ihr Traum vom Glück?

Markus:  Ein Los bei „Aktion Mensch“, das mir für die nächsten 20 Jahre 3000€ Haushaltsgeld als Grundversorgung beschert, damit man andere Dinge tun kann und befreit ist vom täglichen Kampf. Ich hätte Spaß an so vielen Dingen, für die ich jetzt keine Zeit habe: zum Beispiel soziales Engagement. Ich habe das Gefühl, die Zeit wird immer knapper, sie fehlt, um viele Dinge in Ruhe zu Ende zu bringen, eben nicht unter Zeitdruck.   

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Markus:  Die Welt war noch nie so unfertig wie heute. Ich arbeite selbst an der digitalen Welt, aber die jungen Leute heute jagen nur hinter den Noten her, das Lernen selbst steht nicht mehr im Vordergrund.

Ich wollte immer wissen, wie und warum etwas funktioniert, die Zusammenhänge und das Wahrnehmen der Umwelt sind wichtig. Deshalb hört das Lernen auch nie auf. Ich habe mir auf meinem Lebensweg immer neue Optionen offengehalten; es gab und gibt immer neue Möglichkeiten, wo man etwas lernt und seine Kompetenzen erweitert.

Lernen wird nie ohne Mühe sein, und was du heute lernst, wirst du irgendwann brauchen. Nur weiß man nicht vorher, wofür man das Wissen benötigt! Deshalb ist es nicht sinnvoll, heute schon auszusortieren (das brauche ich ja doch nie…).

Die Menschen in Afrika haben einen riesigen Mangel an Möglichkeiten. Gerade bei den jungen Menschen in Afrika herrscht ein großes Bedürfnis nach Bildung und Wissen, aber es gibt keine Angebote und Möglichkeiten.

Die jungen Leute hier haben dagegen ein unglaubliches Angebot, das wird aber nicht angemessen geschätzt und genutzt.  Dieses Spannungsfeld wird in den nächsten Jahren noch schlimmer werden.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.