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Natalie

„Es gibt unterschiedliche  Phasen im Leben eines jeden Menschen, die  vollbracht werden wollen, wie bspw. ein Schulabschluss,  eine Berufsausbildung und auch in einem selbst erwählten Beruf arbeiten zu dürfen, zu können... Ich für mich habe feststellen dürfen, wie erfüllend es sein kann, diese Phasen bzw. „Lebensabschnitte oder Aufgaben“ nachzuholen und abschließen zu  können.“ (Natalie)

Natalie  ist 47 Jahre alt und arbeitet als Ergotherapeutin in Lippstadt und Bad Wünnenberg u.a. in der neurologischen Reha.  Sie machte im Februar 2010 am Hansekolleg ihren Realschulabschluss.

Damals lebte sie noch mit zwei von ihren insgesamt drei Kindern in Brilon.

Q: Wie sind Sie zum Hanse-Kolleg gekommen?

Natalie: Schon vor Jahren hatte ich von der Außenstelle des AG Lippstadt in Brilon gehört, und als dann mein Mann  beruflich nach China  ging, wollte ich etwas für mich Sinnvolles machen, und da hab ich mir überlegt, meinen Schulabschluss nachzuholen. Da mir dies zu dem Zeitpunkt wichtig war, habe ich über das Internet eine Möglichkeit gesucht, den Schulabschluss in Kursen am Vormittag  nachholen zu können, und so bin ich dann auf das WBK in Lippstadt gestoßen. Nach einem Jahr und einer für mich weitreichenden persönlichen Entscheidung, bin ich dann nach Lippstadt gezogen. Zum einen war mir die tägliche Fahrerei auf die Dauer zu viel, und zum anderen war der Umzug ein weiterer Schritt in einen neuen Lebensabschnitt.

Es gab in den ersten beiden Semestern einen jungen Mann mit seiner Freundin – beide Punks – die ich immer mitgenommen habe, da ihr Wohnort auf meiner Wegstrecke lag, und es gab noch den ein oder anderen, mit dem man mal ein paar Worte mehr gewechselt hat, aber heute habe ich keinen Kontakt mehr zu den anderen Studierenden. Dazu blieb der Klassenzusammenhalt wegen der häufigen Wechsel zu locker. Dennoch habe ich eine Freundin gefunden, mit der ich auch heute noch engen Kontakt habe.

Ja und als besonderes Erlebnis ist mir die Theaterstudienfahrt nach Berlin in Erinnerung geblieben. Das war eine tolle Sache, sehr beeindruckend.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst bzw. verändert?

N: Mit 40 wieder in die Schule zu gehen, das ist schon eine gewaltige Veränderung! Der Schulalltag hat alle Lebensgewohnheiten über den Haufen geworfen. Ich musste das Lernen wieder lernen, mich auf neue Anforderungen einlassen, Prüfungssituationen aussitzen. Ich wurde ehrgeizig und wollte einen guten Abschluss machen, sodass  eine einzige Vier mich schon fast aus der Bahn geworfen hätte. Ein gutes bzw. sehr gute Abschlusszeugnis war mein Ziel, und so habe ich mich zum Schluss über eine Zwei in Mathe geärgert, dies aber vor allem, weil ich in den vorherigen Semestern immer eine Eins auf dem Zeugnis hatte.

Es war ein vollständiger Neuanfang in meinem Leben. Ich habe mir eine Liste als Entscheidungshilfe zusammengestellt: Was möchte ich? Was will ich? Was kann ich? Wie sehen meine längerfristigen Ziele aus? Daraus hat sich ergeben, dass ich gern therapeutisch und mit Menschen arbeiten möchte. Ich habe mir am Tag der offenen Tür an der Westfalen Akademie in Dedinghausen die verschiedenen Berufsmöglichkeiten angesehen: Physiotherapeutin  war schon interessant, aber da fehlte mir noch was, die Ergotherapie schien das Richtige zu sein. Ein Abitur war dafür nicht nötig, sodass es mir möglich war, meine Schulzeit um fast zwei Jahre zu reduzieren und direkt im Anschluss mit einer Ausbildung zu beginnen.

Die Schule war eine gute Vorbereitung für die Ausbildungszeit: etwas konsequent durchziehen, zwei Jahre durchhalten, das hat mir geholfen, auch die folgenden Herausforderungen zu bestehen. Als Ergotherapeutin macht man ja praktisch eine medizinische Grundausbildung, da gibt es unheimlich viel zu lernen.

Q: Hat sich ihre Herkunft aus dem zweiten Bildungsweg jemals negativ bemerkbar gemacht?

N: Nein, im Gegenteil! In der Regel bekomme ich viel Anerkennung, wenn ich meine „Geschichte“ erzähle. Es ist ein tolles Gefühl, das geschafft zu haben! Immer wenn ich mich irgendwo vorstelle oder meine Daten eintragen muss, macht es mich stolz. Ich trage bei „Beruf“ ein: „Ergotherapeutin“. Ich hätte früher nie gedacht, dass das so wichtig ist.

Q: Ein paar Fragen zu der Person, die Sie damals waren:

Stichwort – Lieblingsbeschäftigung

N: Ich bin immer schon sehr naturverbunden gewesen. Ausgedehnte Spaziergänge mache ich auch heute noch gern, und ich lese sehr gerne. Heute lese ich neben der schönen Literatur allerdings gerne auch Fachbücher, weil es mir Spaß macht, mich weiter zu bilden und immer wieder Neues zu lernen. Mein Beruf und meine zusätzliche Ausbildung in der Cranio-Sacralen-Osteopathie,  die ich direkt im Anschluss an mein Examen zur Ergotherapeutin gemacht habe, finde ich nach wie vor einfach spannend.

  • Lieblingsbuch
    Paolo Coelho „ Der Alchimist“                                                   
  • Lieblingsfarbe
    Ich habe keine direkte Lieblingsfarbe. Alle Farben, die die Natur mit sich bringt, finde ich wunderschön. Sie sind so unbeschreiblich vielfältig, wild aber auch harmonisch und kaum zu kopieren.
  • Lieblingsblume
    Sonnenblume

Q: Was haben Sie aus Ihrer Schulzeit am Hanse-Kolleg  fürs Leben mitgenommen?

N: Verantwortung für sich selbst übernehmen, das habe ich gelernt. Der Umgang mit anderen Menschen war für mich immer schon  ein wichtiges Thema.  Ich habe das in meinem  Beruf neu erarbeitet und als Therapeutin andere Facetten hinzugewonnen. 

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

N: Ich denke, dass wir alle Talente in uns besitzen. Es geht ja nicht unbedingt darum, dass wir dieses Talent perfekt oder auch nur zum Teil perfekt beherrschen, sondern darum, dass es uns persönlich Freude bereitet, etwas auszuüben. Ich persönlich habe derzeit große Lust einfach mal etwas zu malen und werde es einfach mal ausprobieren, auch wenn ich es vorher noch nie gemacht habe.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie bei Mitstudierenden besonders geschätzt?

N: Bei den jungen Leuten hat mir das Entspannte, die Lockerheit gefallen, dass sie sich weniger Gedanken machen. Ich bin alles in allem recht kopflastig gewesen und habe mir bestimmt viel zu viele Gedanken über alles gemacht. Eine weitere Eigenschaft, die mir imponiert hat, war die Zielstrebigkeit  meiner Freundin s.o..

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie bei Lehrern und Lehrerinnen?

N: Meine Lehrer waren alle gut und authentisch in ihrer Unterrichtsweise. Es gibt aber große Unterschiede. Vielleicht lassen sich zwei Haltungen unterscheiden: die einen sind optimistisch und sehen alles positiv, selbst die kleinste Anstrengung,  und geben jedem immer wieder eine Chance. Die anderen sind eher sachorientiert und „ziehen ihr Ding durch“. Aus verschiedenen Gründen: entweder tendiert das Fach zur Sachlichkeit, oder es hat sich eine gewisse Mutlosigkeit nach vielen enttäuschenden Erfahrungen breit gemacht. Beide Haltungen kann ich verstehen. Ich persönlich tendiere eher zu der optimistischen, immer bzw. meistens das positiv sehende :-)

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

N: Zunächst einmal stellt sich die Frage, was sind Fehler? Was für den einen richtig ist, ist für jemand anderen vielleicht weniger richtig… Und dennoch gibt es Verhaltensweisen, die einen verletzen können. Persönlich kann ich ein Fehlverhalten bzw. eine Verhaltensweise, die mich verletzt hat, dann verzeihen, wenn die Entschuldigung von Herzen kommt.

Q: Was konnten Sie nach Ihrer Schullaufbahn besser als vorher?

N: Schulzeit und Ausbildung insgesamt haben mich gelehrt, vor Menschen zu sprechen (das hat früher immer Panik bei mir ausgelöst), ein Thema auszuarbeiten und vorzubereiten. Es ist alles lernbar, wenn man’s macht.

Q: Ihr Lebensmotto?

N: Jeden Augenblick, der sich bietet, so zu nehmen wie er ist. Und: alles hat seinen Sinn. Früher oder später zeigt sich uns dieser Sinn, und jede Herausforderung hat etwas Positives. Ich habe immer schon eine sehr positive Lebenseinstellung gehabt. Jeder Augenblick und alles bisher Erlebte war und ist wichtig. Die Summe all dessen hat mich schließlich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin.

Wir halten das Glück oft in unseren Händen und merken es gar nicht, weil wir immer auf der Suche nach etwas Besserem oder Schönerem sind, und dies zieht sich durch alle Bereiche unseres Lebens. Wir sollten unser Bewusstsein dahingehend ändern, dass wir das Glück längst schon haben.

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

N: Nicht „Red Bull“,  aber unser eigener Wille verleiht Flügel. Das heißt, wenn wir etwas wirklich wollen, dann schaffen wir das auch. Wichtig ist nur, dass jeder erst einmal in sich selbst hinein schauen muss und herausfinden sollte, was er selber möchte. Das ist das, was uns vorantreibt, was uns unseren eigenen Weg gehen lässt – und da ist alles möglich!!!

 Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule ihre mutmachenden Biographien vor.
Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek (Q).

Den Anfang macht Natalie. Sie hat uns geholfen, die erste Fassung unseres Fragenkatalogs auszuprobieren.