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Silke Böttcher

 Silke Böttcher

Silke Böttcher

Für die sechste Erfolgsgeschichte haben wir uns mit Silke Böttcher aus Erwitte getroffen.

Silke arbeitet im International Office der neuen Hochschule Hamm-Lippstadt und kümmert sich um Studierende und Lehrende, die aus dem Ausland zu uns kommen oder selbst ins Ausland gehen möchten. Sie ist jetzt 31 Jahre alt und hat 2007 am Hanse-Kolleg das Abitur bestanden.

Silke über ihre Arbeit: Es ist schön mit jungen Menschen zu tun zu haben und sie auf einem Lebensabschnitt zu begleiten, an den sie vorher nicht unbedingt gedacht haben – sowohl das Studium im Allgemeinen als auch einen Auslandsaufenthalt während des Studiums. Es ist ein bisschen so, als würde ich ihnen einen Weg öffnen, den sie sonst nicht eingeschlagen hätten - so wie bei mir damals, als ich zum Abendgymnasium kam.

Q: Wo leben Sie zur Zeit?

Silke: Nach meinem Studium in Münster wohne ich jetzt wieder in Erwitte und fahre mit der Bahn zur Arbeit. Ich fahre gern mit dem Zug und genieße die Zeit, nutze sie zum Lesen.

Q:Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen?

Silke: Nach meinem Australienaufenthalt, wo ich in meinem Beruf als Krankenschwester gearbeitet hatte, war ich in meinen Berufsplänen unsicher geworden und es entstand der Wunsch zu studieren. Bei meinen Recherchen entdeckte ich das Weiterbildungskolleg der Stadt Lippstadt, das zu meiner Überraschung ganz in der Nähe war. Voller Elan meldete ich mich schon vor den Sommerferien an und hätte am liebsten gleich etwas vorbereitet. Ich hatte ja schon das Fachabitur, und so war es dann gar nicht so schwer wie befürchtet, als ich ins dritte Semester einsteigen konnte. Damit war ich die einzige, und während die anderen sich im Gebäude schon auskannten, waren die Räumlichkeiten zu Anfang für mich ziemlich verwirrend. (Die Schule hatte zusätzliche Unterrichtsräume in der benachbarten Nicolaischule.)

Q: An welche Dinge, Erlebnisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Silke: Die Berlinfahrt zum Beispiel hat mir sehr gefallen. Nicht nur die Stadt war interessant, auch die Auswahl der Theaterstücke. Vielleicht sollte ich mal wieder mitfahren.

Unterricht und Lehrer habe ich anders erlebt als früher. Jetzt war es viel schöner. Man konnte die Lehrer als Person annehmen, stand ihnen viel näher als das früher möglich war. Ja und das Gebäude damals vor der Renovierung, ich fand, das hatte Charme, alte Mauern mit Rissen in der Bausubstanz,- das passte zu uns allen.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Silke: Ein Personenkreis aus unserem LK trifft sich noch regelmäßig einmal im Jahr. Man läuft sich sonst nicht über den Weg, und es gibt wenig Parallelen, weil jeder in einem anderen Umfeld lebt.

Q: Gibt es etwas im Zweiten Bildungsweg, das Sie besonders geprägt hat?

Silke: Man erwirbt ein anderes Verständnis, eine neue Wertschätzung gegenüber Bildung im Allgemeinen, gegenüber der Möglichkeit diesen Abschluss überhaupt nachholen zu können. Man wird auch offener, wenn man den Werdegang und die Lebensgeschichten der anderen Studierenden kennenlernt. Das bunte Gemisch der Biographien ist vielfältiger als in der normalen Schule, und dadurch wird man sensibler für besondere Belange und Situationen. Während an der Schule der Kreis noch überschaubar war, wurden an der Uni noch mehr Biographien zusammengemischt, und ich habe den Eindruck, dieser Prozess – die unterschiedlichen Biographien der Studierenden – weitet sich aktuell immer mehr an den Hochschulen aus.

Ich habe durch die zweite Schulzeit sehr deutlich den Mehrwert von Bildung empfunden und eine Wertschätzung besonders für die Lehrer, für die es eine große Herausforderung ist, jeden gerecht anzusprechen, so ein Konglomerat von unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenzuhalten.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst beziehungsweise verändert?

Silke: Es war nach meinem Australienaufenthalt eine Zeit des Umbruchs. Ich wollte nicht mehr als Krankenschwester arbeiten, das sollte nicht der Alltag bis zur Rente sein. Mit der Option Abitur öffnete sich die weite Welt; es würde Umbrüche, Veränderungen, neue Möglichkeiten geben, das spürte ich. Ein Fenster öffnet sich und macht weitere Türen und Fenster sichtbar.

Q: Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem Zweiten Bildungsweg?

Silke: Mit der Aufnahme meines Studiums habe ich meine Herkunft aus dem zweiten Bildungsweg sehr deutlich erkannt, je nachdem aus welchem Blickwinkel habe ich sie positiv und negativ erlebt:

Der negative Blickwinkel: Beim Start ins Studium (ich habe Politik und Wirtschaft in Münster studiert) dachte ich, als ich all die viel jüngeren Studierenden sah, da kann ich nicht mithalten, die haben eine viel bessere Allgemeinbildung als ich, bessere Noten, sind ehrgeiziger. Es war ein renommierter Studiengang mit einem hohen Numerus Clausus, da kamen sehr gute Studierende zusammen.

Positiv betrachtet, konnte ich mit der neuen Situation des Studiums besser umgehen. Natürlich hatte ich auch Sorgen in dieser neuen Situation, aber auch eine gewisse innere Ruhe, die aus der Erfahrung resultiert, dass es immer noch einen anderen Weg gibt, eine andere Möglichkeit, und die Welt mit dem Nichtbestehen einer Klausur nicht unter geht. Ich war sensibler für die Situation der anderen, die sich von kollektiver Angst und Aufregung leicht anstecken ließen.

Das Studium hatte einen hohen Stellenwert, aber ich habe immer auch nebenbei gearbeitet, auch in der Schulzeit, das war ich einfach schon gewohnt. So ist es oft schade, weil man nicht das Beste geben kann, obwohl es nicht bedeutet, dass man die Schule (oder das Studium) gering schätzt.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung (und heute)?

Silke: Durch das Wieder-zur-Schule­-­gehen habe ich den Weg zurück zum Buch gefunden. Die Auseinandersetzung mit der Literatur, sich Zeit dafür zu nehmen, hat mir einen anderen Zugang ermöglicht. Ich begann wieder zu lesen, und das ist bis heute so geblieben.

Q: Welche Musik haben Sie damals gehört?

Silke: Das weiß ich gar nicht mehr so genau. Ich höre im Radio lieber Reportagen.

Auch im Fernsehen interessieren mich lebensnahe Reportagen am meisten.

Q: Welches sind Ihre aktuellen Lieblingsfilme?

Silke: Wie schon gesagt, schaue ich am liebsten Reportagen, zum Beispiel die Serie 37 Grad; oft sehe ich auch Reportagen aus der Mediathek an. Den Film „Little Miss Sunshine“ aber mag ich besonders.

Q: … und Ihr Lieblingsbuch?

Silke: Oh, da kann ich mich nicht entscheiden. Im GK Französisch haben wir damals etwas von Eric Emmanuel Schmitt gelesen. (Monsieur Ibrahim et les Fleurs du Coran) Daraufhin habe ich noch gern weitere Bücher dieses Autors gelesen. Aber ich mag auch Krimis, historische Romane… manchmal stöbere ich im Buchladen, und wenn mich ein Cover anspricht, lasse ich mich verführen.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Silke: Schwarz.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsblume?

Silke: Sonnenblume.

Q: Was haben Sie fürs Leben mitgenommen?

Silke: Den unschätzbaren Wert von Bildung.

Jetzt, bei meiner Arbeit an der neu gegründeten Hochschule merke ich, wie wichtig das ist und was man mit Bildung erreichen kann.

Dies lässt sich meines Erachtens auch oft an der Gruppe der Studierenden festmachen. Viele Studierende haben nach der Schule einen Berufsweg eingeschlagen, bei dem sie dann eines Tages feststellten, dass die Aufstiegschancen begrenzt sind, ein bestimmter Detailgrad des Wissens nicht erreicht wurde, ein Wissensdurst hervorgerufen wird… und entscheiden sich dann für die Aufnahme eines Studiums. Sie befinden sich oft in einer Orientierungsphase und wir beraten, betreuen und begleiten sie während des Studiums. Es ist schön mit diesen Menschen zu tun zu haben und ihnen den Weg zu öffnen. Das ist ein bisschen so wie bei mir damals, als ich zum Abendgymnasium kam.

Die Hochschule Hamm-Lippstadt gibt es ja erst seit sechs Jahren und es gibt noch so viel Potential! Gerade für die Region ist es wichtig, weil dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt werden kann und die Firmen im Umland sich aktiv an der Nachwuchsbildung beteiligen können und sich als gute und interessante Arbeitgeber präsentieren können.

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

Silke: Ich möchte gern in mir ruhen können. Das erfülle ich noch nicht so ganz.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie bei Mitstudierenden geschätzt?

Silke: Ich habe den Wert der Bildung schätzen gelernt und gerade auch ältere Studierende mir zum Vorbild genommen. Dass auch sie sich auf die Suche nach neuen Perspektiven machen, hat mich sehr beeindruckt.

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie bei LehrerInnen?

Silke: Es gehört viel dazu, dass man als Lehrer das Interesse für Inhalte, neue, andere, fremde wecken kann. Man muss viel eher mit Gegenwehr rechnen und vielfältigeren Argumenten begegnen. Es braucht eine besondere Fähigkeit zur Leitung und Motivation. Die Schüler, die zum Abendgymnasium kommen, lassen sich nichts mehr erzählen, ein Lehrer muss sich anders behaupten, und er muss den Studierenden signalisieren, dass er (oder sie) sie ernst nimmt. Jeder bringt sein gelebtes Leben schon mit und man fängt nicht bei Null an. Das erfordert mehr Engagement, die oftmals „verbrannte Erde“ wieder fruchtbar zu machen.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Silke: Ich bin, glaube ich, grundsätzlich milde gestimmt. Manchmal ist das schlecht, weil manch einer vielleicht glaubt, sich vieles erlauben zu können. Ich glaube aber, jeder hat eine zweite Chance verdient.

Q: Ihr Lebensmotto?

Silke: Nichts ist endgültig, alles unterliegt einem Wandel.

Man darf sich nicht darauf verlassen, dass alles so bleibt. Veränderung ist normal, Dinge müssen sich ändern, um besser zu werden. Man muss sich dem stellen „go with the flow“, es gibt immer wieder neue Einflüsse und Impulse.

Q: Ihr Traum vom Glück?

Silke: Wenn ich mich mit Dingen beschäftigen kann, die mich glücklich machen. Ich ziehe Glück aus Tätigkeiten, die mich zufrieden stimmen. Ich war für ein Praktikum drei Monate in London. Das ist eine pulsierende Metropole, da möchte ich nochmal sein, vielleicht sogar leben. Das ist ein Schritt, den ich gerne wagen würde. Man muss hier freilich etwas aufgeben, ist dort sozial weniger abgesichert, und das Leben ist teuer. Aber die britische Lebensart liegt mir. Die Höflichkeit gehört dort tatsächlich zum Alltag. London bietet ein unüberschaubar riesiges kulturelles Leben, die Vielartigkeit der Menschen finde ich spannend. Das ist augenblicklich mein Traum vom Glück.

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Silke: Das Abendgymnasium ist eine Chance und das Gelingen muss sich erkämpft werden.

Mit dem Gelingen öffnen sich dann vielfach weitere Türen und Fenster, die zwar zu Beginn noch nicht sichtbar waren, aber noch viele weitere Chancen darstellen. Nur dafür kämpfen muss man selbst. So lässt sich das eigene Leben neu gestalten.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.