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Volker Hellmann

Volker Hellmann, Abiturjahrgang 1986, ist der fünfte ehemalige Studierende des Hanse-Kollegs, den wir in einem Interview vorstellen. Er ist 54 Jahre alt und arbeitet als Ergotherapeut in verschiedenen  Kliniken als freier Mitarbeiter. Durch mehrere  Fortbildungen, wie  zum Beispiel Feldenkrais, Sensorische Integration und Spielpädagogik verfügt er über ein breites Angebot an Therapien, die ihn zu interessanten Projekten führen. Die Mitarbeit als Körpertherapeut  in der Theatergruppe der forensischen Klinik in Eickelborn ist eines davon. Er lebt in Lippstadt und hat zwei Töchter.

Der Vorteil des Zweiten Bildungsweges liegt sicherlich darin, dass man zum ersten Mal eine intrinsische Motivation entwickelt mit dem Ziel herauszufinden, wie man sich verändern will und welche Möglichkeiten man für sein Leben nutzen will.

Q: Wo leben Sie zur Zeit?

Volker: Ich wohne in Lippstadt, aber ich bin beruflich sehr viel unterwegs, auch als Mitarbeiter in einer anderen Praxis und verschiedenen Kliniken.

Q: Wie sind Sie damals zum Hanse-Kolleg gekommen?

Volker: Es war mir eigentlich immer klar, dass ich nochmal  das Abitur machen wollte. Ich hatte das Gymnasium in Overhagen nach dem Realschulabschluss verlassen und dann bei der Hella gearbeitet. Das habe ich auch während der Schulzeit weiter durchgehalten. In unserer Klasse waren damals fast alle berufstätig. Der Weg zum Abendgymnasium, also in die Erwachsenenbildung, war  die beste  Möglichkeit.

Q: An welche Dinge, Ereignisse, Personen aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich gern?

Volker: Unsere Klasse war recht groß: 23 Studierende, und wir waren eine lebhafte Gemeinschaft: wir haben viel zusammen unternommen, es gab intensive Gespräche, und wenn man so oft und so lange zusammen ist, dann entwickelt sich ein ganz eigenes soziales Netz mit einer besonderen Kommunikation. Das lässt sich vielleicht mit längeren Fortbildungen vergleichen, wo man die Leute ein Jahr lang oder länger immer wieder trifft und sich jedes Mal auf das Wiedersehen freut. Keiner war verheiratet, und wir haben viel Zeit miteinander verbracht, sind ausgegangen oder haben an den Wochenenden zusammen gekocht.  Auch an die Lehrer erinnere ich mich gut, besonders in unserm  Physik –LK bei Herrn B haben wir  ganz tolle Sachen gemacht! Herr B ist eigentlich ein echter Nerd, auch wenn es das Wort damals noch nicht gab. Wir hatten auch eine sympathische  ganz junge Mathelehrerin. Aus unserer Klasse haben die meisten bis zum Abi durchgehalten, das lag sicher auch an der guten Gruppe. Wir haben alle mitgezogen, viele hatten auch einiges Vorwissen vom Gymnasium.

Q: Haben Sie Freundschaften aus der Schulzeit behalten?

Volker: Nein; es sind noch ein paar lockere Bekanntschaften geblieben, man sieht sich manchmal in der Stadt.

Q: Wie hat die Schule Ihr Leben beeinflusst beziehungsweise verändert?

Volker: wenn man anfängt zu arbeiten, ist man ziemlich „verinselt““,  man kennt kaum andere Menschen außerhalb der Arbeit. An der Schule lernte ich neue und interessante Leute kennen, die ich sonst nie in meinem Leben getroffen hätte.

Q: Woran erkennt man Ihre Herkunft aus dem Zweiten Bildungsweg?

Volker: Man ist älter in der Ausbildung, auch im Studium, das habe ich gemerkt, als ich angefangen habe , Psychologie zu studieren. Nach dem Grundstudium habe ich aus privaten Gründen das Studium unterbrochen und letztendlich abgebrochen.  In der Erwachsenenbildung haben die Leute ganz  bestimmte Vorstellungen, was sie mal erreichen wollen. Die Schule hat einen anderen Stellenwert als bei den Jugendlichen, weil man ja schon arbeitet und man lernt anders. Was einen interessiert, das behält man auch gut.

Q: Welches war damals Ihre Lieblingsbeschäftigung (und heute)?

Volker: Ich habe damals gern gelesen, und das ist heute auch noch so. Ich habe auch immer viel Sport gemacht: Laufen, Kraftausdauersport, Triathlon, Schwimmen, ich habe auch als Trainer gearbeitet, und damals war ich natürlich beim Lehrersport, der Fußballgruppe freitagnachmittags, dabei.

Q: Welche Musik haben Sie damals gehört?

Volker: Ich mag  eigentlich alle Musikrichtungen. Aber heute ist das Angebot viel größer. Laute Musik zu hören, macht natürlich Spaß, aber das kommt auch auf die Nachbarn an. Meine großen Boxen von damals habe ich nicht mehr, meistens höre ich inear.

Q: Welches sind Ihre aktuellen Lieblingsfilme?

Volker: Die Serie im Fernsehen ““Dath in Paradise““ finde ich ganz entspannend. Sie ist lustig und unterhaltsam, ansonsten ist Fernsehen oft langweilig.

Q: Haben Sie ein Lieblingsbuch?

Volker:   Ich mag gute Fantasy-Bücher. Doch heute geht der Trend dazu, dass die Autoren die Geschichten nicht mehr zu Ende führen, damit sie eine Fortsetzung schreiben können. Das gefällt mir weniger; das Warten macht keinen Spaß. Sonst lese ich viel online, Spiegel zum Beispiel.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?

Volker: blau und rot.

Q: Welches ist Ihre Lieblingsblume?

Volker:  Das ist mir eher egal,- pflegeleicht muss sie sein.

Q: Welches Talent möchten Sie gern besitzen?

Volker: Ich würde gern Musik spielen können, ein oder mehrere Instrumente, aber leider habe ich nicht genug Ausdauer;… als ich es als Kind mit der Block-flöte versuchte, jaulte jedes Mal der Hund, das musste ich also aufgeben ;-) .

Aber meine Töchter spielen Klavier.

Q: Welche Eigenschaften haben Sie an Mitstudierenden  geschätzt?

Volker: Ich war auch einige Zeit Schulsprecher, und meine Stellvertreterin, die war zu meinem Glück sehr gewissenhaft im Organisieren. Das war  angenehm, denn ich lasse da manchmal etwas schluren.

Die Atmosphäre  in unserer Klasse war sehr positiv; es gab zwar  Auseinandersetzungen, aber die wurden immer sofort ausgesprochen und bereinigt. – Ich habe oft nebenbei auf dem Bau gearbeitet; da sagt man sich direkt, wenn man sauer ist, und dann ist die Sache klar. Aber in anderen Arbeitsverhältnissen oder sozialen Bereichen wird häufig nichts offen  gesagt, sondern alles  geht hintenherum, und das steigert sich von Gemeinheiten über Intrigen bis zum Mobbing. In unserer Klasse war alles direkt.

Q: Welche Eigenschaften schätzten Sie  bei LehreInnen?

Volker: Wir hatten zu allen Lehrern einen guten, offenen Kontakt. Sie waren immer ansprechbar, wir hatten auch viel Spaß zusammen, zum Beispiel in der Sportgruppe. Die erwachsenengemäße Behandlung machte den Umgang locker und angenehm.

Q: Welche Fehler entschuldigen Sie am ehesten?

Volker:  Eigentlich finde ich Unpünktlichkeit nervig, kurzfristige Absagen ärgerlich. Aber inzwischen ist mir manches gleichgültig geworden, eben wenn es Eigenheiten und Eigenschaften sind, die zu einem Menschen gehören.

Q: Ihr Lebensmotto?

Volker: Es geht immer weiter.

Q: Ihr Traum vom Glück?

Volker: An einem Ort zu leben, wo ich meinen Lebensabend in kurzen Hosen verbringen kann; dafür würde ich meine Ansprüche auf ein Minimum reduzieren.

Q: Welchen Rat geben Sie an jetzige Studierende weiter?

Volker: (lacht) gebt beim Abschreibenlassen nicht alles komplett weiter…..

Mal ernst: es gibt zwei Gruppen von Studierenden: die einen wollen einfach nur nicht arbeiten gehen ,– die brauchen keinen Rat. Die anderen haben einen konkreten Plan. Die Schule gibt  einem den Anstoß sich zu fragen: Gibt es noch andere Möglichkeiten für mich und mein Leben? Der Vorteil des Zweiten Bildungsweges ist vielleicht, dass man zum ersten Mal eine intrinsische Motivation entwickelt, herauszufinden, wie man sich verändern will und welche Möglichkeiten man für sein Leben  nutzen will.

Q: Wir bedanken uns für dieses Gespräch.

 

Lebens(um)wege

In dieser Rubrik “Lebens(um)wege“ stellen  Absolventen unserer Schule  ihre mutmachenden  Biographien vor.

Die Fragen stellten  Joachim Schneider und Gabi Suchanek, im Folgenden = Q.