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Freitag
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Eine Woche voller Höhepunkte

Hauptbahnhof Berlin

Kreuzberg. Schneereste am Straßenrand, nasse Kälte. Im Theater soll es Decken geben, meint Gabi. So eigenartig wie einzigartig: Das Garn – Theater des Schauspielers und Regisseurs Adolfo Assor. Einen Kohlenkeller hat er zum Theater gemacht, Platz hat er für knapp dreißig Besucher; seine Dynamik und seine Intensität reichen für viele mehr. Wenn er zum Greifen nah als Poprischtschin - dem Protagonisten aus Gogols „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ - in den Irrsinn abzugleiten scheint, ist es dem Zuschauer unmöglich, sich zu entziehen.

Um Theater zu erleben, muss man nach Berlin. Beim Hanse-Kolleg weiß man das. Seit mehr als 25 Jahren ist die „Theaterfahrt“ nach Berlin fester Bestandteil des Jahresprogrammes. Die Teilnehmer sind Studierende des „Zweiten Bildungswegs“, sowohl vom Kollegzweig am Vormittag als auch vom Abendgymnasium.

Einerseits Assors Theater im kühlen Keller, andererseits das Theater am Schiffbauerdamm, einerseits Theater auf das Mindeste reduziert, andererseits ein Haus mit modernster Bühnentechnik, dessen architektonische Finesse immer wieder den Blick fesselt: Berlins Theaterwelt ist so vielgestaltig, dass Langeweile nicht aufkommen kann. „Ich bin echt gespannt, was die mit dem Shakespeare machen“. Typische Bemerkung beim Abendessen im Hostel.

An sechs von sieben Abenden waren Theaterbesuche gebucht, vorher gab es jeweils einen kurzen Einführungsvortrag durch einen der begleitenden Lehrer: „Was ihr wollt“ und „Mutter Courage“ mit dem „Berliner Ensemble“, seinerzeit von Bert Brecht und Helene Weigel gegründet, mit Stars wie Maja Antoni und Thomas Quasthoff, Klassiker wie Goethes „Iphigenie auf Tauris“ im Gorki Theater und Racines „Phädra“, eher Experimentelles wie „The Black Rider“ von W.S. Burroughts mit genialer Musik von Tom Waits oder die ergreifende Theateradaption von Fellinis „La Strada“ an der Vagantenbühne.

Nur der Donnerstagabend war „theaterfrei“. Was tun? Die Mehrheit der Teilnehmer entscheidet sich für – noch mehr Kultur! Oper, Kleinkunstbühne, Theater, Kino. Nur sechs „Couchpotatoes“. Kaum zu glauben.

Theater am Abend, Sightseeing am Tage.

Zum Tagesprogramm gehörten Besuche des Bundestags und einzelner Stadtteile. Eine Rundfahrt durch Potsdam führte zum Ort der „Potsdamer Konferenz“, dem Schloss Cecilienhof. Sans-Souci durfte nicht fehlen. Die Führung durch das ehemalige geheime KGB-und StaSi-Untersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen erwies sich als besonders eindrucksvoll, aber auch als bedrückend: unser Führer war ein ehemaliger Häftling. Wie er denn in der Lage sei, an diesem Ort Führungen zu übernehmen? „Die Diktatoren haben verloren, wir sind die Sieger“.

Insgesamt war das Programm sicherlich anstrengend, doch blieb auch Zeit zur individuellen Erkundung der Stadt, fürs Shopping, für Museumsbesuche. Eine - inzwischen ehemalige - Kursteilnehmerin war schon zum sechsten Mal dabei. Berlin, wir kommen wieder!