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Liège - Lüttich - L`amour

Französische Kultur für Anfänger

Am 30.5. war es wieder soweit: einmal mehr ging das Hanse-Kolleg auf Klassenfahrt. Diesmal machten Inga, Nadine, Jana und Jacqueline aus dem Französisch GK Liège hoffentlich weniger als mehr unsicher. Unter der fachkundigen und autoritären Führung Mme Bani-Shorakas sollte aber nichts schiefgehen. Zudem ging es schon um 7 Uhr früh los, was einem aufgrund des Schlafmangels jegliche Flausen austrieb  Embarassed

Man unterhielt sich lieber über die wichtigen Dinge des Lebens: essen. Das Zusammenfantasieren der exotischsten Gerichte  machte richtig Lust die französische Küche zu genießen. Die Portion Pommes schmeckten auch gleich ganz anders Wink  Zur Einstimmung schlossen wir uns, natürlich alle mit perfekt sitzendem Lippenstift, einer Stadtführung an. Leider wandte man seine Aufmerksamkeit nach einiger Zeit verständlicheren Dingen wie der Fotografie oder der Umgebung zu. Diese war insofern spannend, als das sich hier die gleichen Ausßenbalkone wie auf Malta fanden. Brachte Napoleon die mit? Oder trieben doch die Araber in Belgien ihr Unwesen? Bei einer après-guidée-gauvre (das sind die typisch nordfranzösischen / belgischen Waffeln) gab diese Frage ausreichend Raum für Diskussionen. Derart gestärkt streiften wir auf der Suche nach Mitbringseln, leider größtenteils erfolglos, durch die Läden.

Die Enttäuschung darüber war beim gemeinsamen Abendessen in einer urigen Crèperie jedoch schnell vergessen. Vor dem Genuss stand jedoch die Wahl von Belag und Getränk, was Nadine als Mathe LK Vertreterin klassisch per f(x) löste, während sich der Deutsch LK  auf die Unwägbarkeiten des Lebens einließ. Einig war man sich jedoch beim Fazit: für die herzhaften Crèpes hat sich das viel zu frühe Aufstehen allemal gelohnt, während die klassisch süßen die Geschichte rund machten.

Die Treppe
Die Treppe

Um das frisch investierte Hüftgold nicht zur dauerhaften Anlage werden zu lassen, beschlossen wir doch noch DIE TREPPE zu erklimmen. Nachdem jedoch ein und derselbe Typ schon das dritte Mal an uns vorbei war während wir weniger als die Hälfte geschafft hatten, sank die Motivation auf das absolute Minimum. Totgesagte leben jedoch fast am längsten, was uns einen atemberaubenden Blick über die Stadt ermöglichte. Leider blieb nur wenig Kraft die Vor- und Nachteile solch einer exponierten Lage zu erörtern. Was macht man z.B. wenn man eine Pizza bestellt? Entweder ist die kalt, bis der Lieferant oben ankommt oder er lässt sie gleich unten stehen und wünscht höflich Guten Appetit.

Diese und weiteren Argumentationsstrukturen im Kopf ging es zu einem Denkmal noch weitere Stufen hoch. Den beginnenden Sonnenuntergang im Blick gab es keinen besseren Ort um den Abend entspannt ausklingen zu lassen <Phrasendrescherei>. Man möge mir diese abgegriffenen Worte verzeihen, aber die Sprache ist einfach zu begrenzt, um das wahre Wesen der Dinge zu vermitteln. (Lord Chandos hat das Problem auf den Punkt gebracht.)

Für den perfekten Abschluss fehlte jedoch noch un verre de Vin Rouge, welches uns in einer kleinen Keller Kneipe kredenzt wurde. Unter (typisch) französischer Musik ließen wir den Tag Revue passieren und stellten so etwas ähnliches wie einen Plan für den morgigen Tag auf. Vergleichsweise früh waren wir dann im Hostel, wo unser Mathe Genie Nadine noch fix per

f(x)= i * n / j2 - jm

den optimalen Zeitpunkt zum Aufstehen für einen jeden berechnete. Danach war auch bei  jedem der absolute Nullpunkt erreicht, sodass Inga, Jana und Jacqueline aus dem Deutsch LK keine Argumentation mehr darüber anzettelten.

Richtig ausgeschlafen war man am nächsten Tag jedoch nicht richtig. Bei dem Marsch über den vielgerühmten Markt erwachten jedoch alle Lebensgeister. Es gab sehr viel zu schauen, zu schnuppern, auch wenn das allgemeine Angebot vielleicht nicht jedermanns Geschmack traf.
Interessanter war meines Erachtens der anschließende Besuch einer Librairie. Stöbern, schauen, anlesen -ja ein wenig verstanden auch die Eleven - was aber nicht zum Erwerb eines Buches reichte. Viel lieber wollte man den Hauch Frankreich vom Wasser aus genießen. Leider wurde die Tour aufgrund mangelndem Passagieraufkommen abgesagt. Doch französisches Flair gibt es auch in Cafés. So zogen wir von einem ins andere und parlierten in geschliffenem Französisch.
Die letzte Tagesaufgabe bestand darin, pünktlich den Zug zu erreichen. Doch Nadine berechnete per

Z(y)= B * i + jm / nJ – S

unsere Ankuftszeit so genau, dass wir kaum 2 Minuten am Bahnhof standen,  als auch schon der Zug angerumpelt kam. Getreu dem Motto: „Der Weg ist das Ziel“ genossen wir die Rückfahrt über Aachen und quer durchs Ruhrgebiet. Natürlich gab es viel zu bereden und erneut zu erleben, sodass es nicht langweilig wurde. So fanden wir auch fast eine Antwort auf die Frage, warum recht viele anfängliche Teilnehmer kurz vor Beginn eines Ausflugs abspringen: Die Erlebnisse sind zwar immer  ‘ der Hammer‘, aber man benötigt zur Regeneration gefühlte zwei Wochen Ferien; egal ob es eine Woche nach Berlin oder „nur“ einen Tag nach Liège geht. Dennoch sind die Strapazen allemal die Erfahrungen wert. Somit danken wir Mme Bani – Shoraka noch einmal dafür, dass sie uns allen diesen wunderbaren Ausflug ermöglichte   Laughing

Wer nun selbst neugierig auf Liège geworden ist, sollte sich im Idealfall erst dazu entscheiden,  im dritten Semester den Französisch Grundkurs zu wählen (im Ernst, wer mag schon Chemie oder Physik?) um sich dann mit einem Wochenendausflug nach Liège zu belohnen.

A bientôt et à la prochaine

Jacqueline M.