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„Studienreise“ durch Franken - Eine Freude für die Sinne

Würzburg Festung Marienberg
Würzburg Festung Marienberg

Es muss nicht immer Paris, London oder Berlin sein! Die Studierenden des Semesters 4 am abendgymnasialen Zweig des Hanse-Kollegs machten sich vom 23. bis 25. Juni auf die Reise nach Franken im Norden Bayerns. Ziel der Reise war es, die attraktive fränkische Landschaft und Kultur kennenzulernen.

Nach dreistündiger Fahrt erreichten wir am Freitag gegen Mittag die unterfränkische Metropole und Weinstadt Würzburg, wo wir den Stadtheimatpfleger (und zugleich hauptberuflichen Lehrer) Dr. Hans Steidle gewinnen konnten, uns durch die Stadt zu führen. Obwohl die Innenstadt Würzburgs am Ende des Zweiten Weltkriegs im Bombenhagel rund 90% der Bausubstanz verloren hat, lässt sich noch heute spüren, wie schön die Stadt am Main ursprünglich mal gewesen sein muss. Immerhin sind zahlreiche markante Bauten nach dem Krieg wieder aufgebaut worden. Die Lage der Stadt am Main, eingebettet in Weinberge, und das südländisch anmutende Leben ließ sich bei der Schnuppertour erahnen. Leider war die Zeit knapp bemessen, sonst hätten wir gerne noch am Abend einen Schoppen Weißen „vom Stein“ – Goethes Lieblingswein – an der Alten Mainbrücke genossen.

Wein prägt auch die mittelalterliche Kleinstadt Volkach. Dieses Kleinod am Main ist ein gutes Beispiel dafür, wie es den Franken gelungen ist, die alte, schön anzusehend Bausubstanz vieler Städte und auch Dörfer annähernd geschlossen über die bauwütigen, zerstörerischen Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg zu retten. Sämtliche Straßenzüge präsentieren sich in farbenfroher Abwechslung dem Auge des Betrachters. Ob es an den großzügigen finanziellen Mitteln der bayerischen Denkmalpflege liegt oder aber an der gemütlichen Behäbigkeit der Franken – das wäre zu klären.

Nach ein paar Leberkäsesemmeln und anderen fleischlastigen Klassikern des fränkischen Metzgereihandwerks machten wir uns über Nebenstraßen durch den Steigerwald auf zu unserer Unterkunft in Pautzfeld. Das Dorf ist nicht mehr als ein Fliegenschiss auf der Landkarte und liegt in der Mitte zwischen dem Großraum Nürnberg-Erlangen im Süden und der Weltkulturerbe-Stadt Bamberg im Norden, zwischen Steigerwald im Westen und Fränkischer Schweiz im Osten.

Für bierliebende Reisende ist Pautzfeld nicht die schlechteste Wahl. Es liegt inmitten des fränkischen Bierlandes – weltweit die Region mit der größten Brauereidichte. Rund 270 gibt es in Franken heute noch, über 150 davon allein in Oberfranken, die meisten davon im Umland von Bamberg. Allein in der Gemeinde Hallerndorf, zu der Pautzfeld gehört, kommen auf 4000 Einwohner sechs Brauereien. Zu jeder von ihnen gehören in der Regel ein Gasthof und meist auch ein sogenannter Bierkeller.

Ursprünglich war der Bierkeller ein in den Fels gegrabener Stollen, der in Zeiten, als es noch keine elektrischen Kühlschränke gab, im Winter mit Eis bestückt wurde und im Sommer zur Lagerung des leicht verderblichen Bieres genutzt wurde. Besonders die Franken in ihrer Genussfreudigkeit haben aus der Not eine Tugend gemacht. Warum also nicht gleich an der „Quelle“ das Bier unter schattigen Bäumen auch konsumieren? Der Gang „auf den Keller“ ist noch heute die Lieblingsbeschäftigung eines jeden „Bier-Franken“. Bei schönem Wetter ziehen solche Keller, die meist abseits jeglicher Hektik in idyllischer Natur liegen, leicht einige hundert Menschen aus dem Umland an. In entspannter Atmosphäre trinken sie ihr „Seidla“ Kellerbier und genießen die einfachen, aber ebenso hochwertigen wie schmackhaften Mahlzeiten zu sagenhaft günstigen Preisen. An den langen Tischen, bei Speis und Trank, kommt man auch leicht mit Fremden ins Gespräch.

Das hauptsächlich ausgeschenkte dunkle, würzige Kellerbier grenzt sich ab von dem Einerlei der heutigen Brauereigiganten wie Warsteiner und Co – in jeder Brauerei schmeckt es ein wenig anders. Und es ist frei von Klärmitteln, Konservierungsstoffen, Hopfenextrakten und sonstigen chemischen Beigaben. Das dunkle, kräftige Roggenbrot kommt seit Jahrhunderten in Form von Dreikilolaiben aus dem örtlichen mit Holz beheizten Backhaus, das von Hausfrauen betrieben wird. Wurst und Fleischwaren werden selbst hergestellt oder stammen vom örtlichen Metzger. Seit Jahrhunderten ist das in Franken so, und diese Kultur hat sich vielen fränkischen Gemeinden bis heute erhalten.

Am Abend des ersten Tages führte uns bei perfektem Sommerwetter eine kleine Wanderung auf den Hallerndorfer Kreuzberg. Der Name leitet sich ab von einer kleinen Wallfahrerkirche, deren Besucher sich nach langer Wanderung in den unterhalb der Kirche liegenden „Kellern“ stärkten. Auch wenn heute nicht mehr viele Pilger die Kreuzbergkirche besuchen – die Keller haben sich erhalten. Als wir um 22 Uhr – nicht etwa aus freiem Willen, sondern aufgrund der Sperrzeit – den Kellerberg verlassen, blinken im inzwischen fast dunklen Wald hunderte  Glühwürmchen. Bei Heraustreten erblicken wir in der Ferne ein Johannisfeuer, das man anlässlich der Sommersonnenwende entfacht. In der Nähe quakt es aus Bächlein und Tümpeln und schemenhaft verschmelzen die Konturen der Landschaft mit dem lauen Sommerabendhimmel. „Es war, als hätt‘ der Himmel die Erde still geküßt, daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müßt‘…“. An diesem Abend lässt sich nachvollziehen, warum romantische Dichter Franken sehr geschätzt haben. Die begleitenden Lehrer, Herr Christ und Herr Teubert, nutzten die Nacht spontan, um die restlichen Kilometer zurück zum Hotel durch die Wälder zurückzulegen, was angesichts der Dunkelheit nicht so einfach war.

Der zweite Tag sollte ganz Bamberg gewidmet sein. Die Stadt mit ihren 75.000 Einwohnern zählt zu dem Schönsten, was Deutschland an Städten zu bieten hat, weil sich annähernd sämtliche Gebäude der Innenstadt über die Jahrhunderte erhalten haben, weshalb Bamberg seit 1993 zum Weltkulturerbe zählt. Darüber hinaus – trotz der vielen Touristen – bietet die alte Kaiserstadt aber noch immer ein vergleichsweise hohes Maß an Authentizität und Lebenswert. Um die Umgebung besser genießen zu können, gingen wir den Tag vergleichsweise entspannt an und genossen schlendernd vor allem die Atmosphäre. Am frühen Nachmittag machten wir uns auf zu einer kleinen, aber angesichts der Temperaturen doch recht schweißtreibenden Wanderung entlang der markantesten Gebäude zur über der Stadt thronenden Altenburg. Nach etwa zwei Stunden erreichten wir diesen Höhepunkt, von dem aus wir einen Blick nicht nur über die Stadt, sondern auch über die weitere Umgebung genossen. Belohnt wurde der Aufstieg mit einem kühlen Trunk in der Burgwirtschaft. Dann zog es die meisten wieder zurück zu neuen Kellerentdeckungen…

Am dritten und letzten Tag besuchten wir noch das perfekt erhaltene Schloss Weißenstein in Pommersfelden. Das Barockschloss ist noch immer im Besitz der Familie Schönborn. Der Erbauer des Schlosses, Lothar Franz von Schönborn, Fürstbischof von Bamberg und Kurfürst von Mainz, ließ sich das Gebäude in den Jahren 1711-1718 als Sommerresidenz erbauen. Der Bischof und Kunstsammler hat sich gründlich und offenbar fast schon zwanghaft darum bemüht, religiöse Motivik bei der Ausstattung des Schlosses zu vermeiden. Dafür hat er rund 600 Gemälde zusammengesammelt und damit die bis heute in Deutschland größte Privatsammlung überwiegend barocker Gemälde zusammengetragen, darunter Namen wie Rubens, van Dyck, Brueghel, Tizian oder Dürer.

Von Pommersfelden traten wir die Heimreise an. Und blicken zurück auf eine anregende Kursfahrt, die Lust auf mehr gemacht hat. Vielleicht kommen wir wieder…