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Theaterfahrt Berlin 2014

Berlinfahrt 2014
Hauptbahnhof Berlin

25.01. – 01.02. 2014

Ganz Berlin ist eine Bühne – meine Bühne. Als Letzte habe ich die Entscheidung getroffen mitzufahren. Was, wie sich herausstellen sollte, eine Woche voller Spaß, Drama und neuer Bekanntschaften bedeutete. Als Exil-Berlinerin waren einige Programmpunkte schon bekannt, dennoch ist Berlin immer eine Reise wert.

 

Samstag, 25.01.

Wie schon im letzten Jahr standen alle pünktlich um 9:00 Uhr abfahrbereit am Bahnhof. Viele verschliefen  die Fahrt, aber in Berlin war man aber hellwach, bereit für alle möglichen Schandtaten. Auf dem Weg zum Hostel  verpassten Florian und Seid den Anschluss zur Gruppe und kamen irgendwann doch noch an, das erste von vielen Malen mit dem Taxi.

Die anderen richteten unterdessen die Zimmer ein und nutzten die Zeit für einen ersten kleinen Bummel bis es um 19.00 Uhr auf zum ersten Theaterstück (Venus im Pelz) ging. Wie auch im Vorjahr blieb nach dem Theater viel vom Abend übrig, einige gingen feiern, andere lieber schlafen. Schließlich stand  morgen ein strammes Tagesprogramm an.

 

Sonntag, 26.01.

Heute wurde uns das klassische Berlin näher gebracht. Vom Gendarmenmarkt ging es unter der fachkundigen Führung von Herrn und Frau Suchanek an der St. Hedwigs Kathedrale, dem Schinkel Museum über den Bebelplatz dreimal links einmal rechts abgebogen an der Neuen Wache und dem Deutsch Historischen Museum (wo wir eine Kaffeepause einlegten; es war einfach zu kalt um weiter draußen Dinge anzuschauen) vorbei zum Dom. Dort war eine Führung gebucht, die sehr informativ war. So gibt es hier unter anderem den ersten Fahrstuhl Berlins, zahlreiche Malereien, Mosaike und eine sehr kostbare Sauer Orgel zu bestaunen. Auch wenn man wie ich schon mehrmals im Dom war, erfährt man immer etwas Neues.

Für den heutigen Theaterbesuch wurde die große Gruppe von 44 Leuten aufgeteilt. Die eine Hälfte ging zu „The King‘s Speech“ ins Schlosstheater, Richtung Dahlem, die andere ins Garn - Theater in Kreuzberg. Da dieses eines der letzten Keller Theater ist, entschied ich mich noch schnell dafür.

Eine gute Idee, denn das Stück wird ganz allein von dem Schauspieler Adolfo Assor gespielt, die auch  Requisiten und Bühne selbst gestaltet. Im einen Moment sah man noch Bettlaken mit grünen Sprenkeln, im nächsten schon einen dichten Wald. Beeindruckend!

„The King‘s Speech“ war, so habe ich gehört, gut, und auch wenn der Film vielen schon bekannt war, bot die Bühnen doch einen intensiveren Eindruck.

Abends trafen wir uns  in einer Cocktail Bar in der Simon -Dach -Straße, die ein guter Ausgangspunkt für weitere Abenteuer ist. Dies habe ich, meine lieben Klassenkameraden im Schlepptau, genutzt um das Berliner Nachtleben unsicher zu machen. Die Nacht wurde sehr lang, Schlaf hat keiner viel bekommen, dafür hat man Seiten an den anderen entdeckt, die man kaum für möglich gehalten hätte :o

 

Montag, 27.01.

Leider schrillte am nächsten Morgen, Tag kann man es nach gut drei Stunden Schlaf nicht nennen, zu früh der Wecker. Dennoch purzelte ich irgendwie aus dem Bett, um das Politische Berlin zu entdecken. Wir hatten die Wahl zwischen Bundestag oder Kanzleramt. Da ich ersteres schon kannte, ging ich auf Stippvisite zu Angie. Die Führung war gut, nur das lange Stehen machte mich nach der langen Nacht vollkommen fertig.

Das heutige Theaterstück „4 Boat People“ wurde auf der Vagantenbühne gespielt. Es war sehr prosaisch, was gut mit dem Ernst des Themas harmonisierte. Auf jeden Fall sorgte es für angeregte Diskussionen unter den Studierenden, da es nicht jedermanns Geschmack traf.

 

Dienstag, 28.01.

In der letzten Nacht gab es ausnahmsweise mal etwas mehr Schlaf. Jeden Abend raus zu gehen geht schließlich auch ins Geld, oder nicht, Stube 112?

Endlich ging es  Richtung meiner alten Heimat, Hohenschönhausen / Hellersdorf, zum ehemaligen Stasi Gefängnis in Hohenschönhausen. Der einfachste Weg geht per S Bahn und Tram, die Linie M6, meine alte Stammlinie. Schön!  J

Selbst wenn man das Gefängnis schon einmal besucht hat, lohnt sich eine erneute Führung, da jede anders ist. Dort sind viele Zeitzeugen , die selbst in diesem Gefängnis eingesessen sind, sodass immer wieder andere Erlebnisse geschildert werden. So eine Haftzeit ist nur schwer vorstellbar, im Grunde war es eine systematische Folter durch Angst, Unsicherheit und Schrecken. Man konnte niemandem vertrauen und wurde  dadurch und durch viele weitere Vorschriften / Regeln an die Grenzen der psychischen Belastbarkeit getrieben.

Jedem, der keinen rechten Bezug zur DDR hat, sei ein Besuch wärmstens empfohlen.

Warm war es leider noch immer nicht. Um wenigstens innerlich aufgewärmt zu sein, ging es anschließend auf eine heiße Schokolade per Tram weiter ins Eastgate am S Bahnhof Marzahn. Ja meine alte Hood, hier war ich ständig zum Shoppen.

Das abendliche Theaterstück „Die schmutzigen Hände“ wurde im Deutschen Theater gespielt, ein Drama, an dessen Ende es erneut viele Tote gab. Die Handlung und die Motive der Personen konnte man sehr gut nachempfinden, dementsprechend war die schauspielerische Leistung absolut vom Feinsten. Zwar wurde es 1948 geschrieben und uraufgeführt, doch ist das Thema politischer Mord auch heute aktuell wie nie. Wer sich für dieses Thema interessiert, dem sei Sartres Stück ans Herz gelegt~

 

Mittwoch, 29.01.

Berlin geht natürlich nicht ohne Museen. Deshalb hatten wir die Wahl zwischen zweien: entweder konnten wir das Jüdische Museum  oder das Pergamonmuseum besuchen. Im Pergamonmuseum sind ja viele große Architekturgegenstände aufgebaut, deshalb hin, hin!

Es war genau so beeindruckend wie ich es mir vorgestellt habe. Der Prachtboulevad von Babylon, das Ischtar Tor und das Markttor sind einfach der Kracher. Prunkstück und Grund für das Museum ist natürlich der Pergamonaltar, von dem leider nichts original erhalten ist. Wohl aber von den umgebenden Figuren, alle fein aus Stein gearbeitet. Obwohl nur Überreste zu bewundern sind, sind die Gesichtszüge so detailgetreu gearbeitet, dass man noch heute die Gefühle erkennen kann. Dargestellt ist der Kampf zwischen griechischen Göttern und Giganten. Es ist genau zu beobachten, dass die Giganten unterliegen. Der Schmerz und das Wissen um die drohende Niederlage steht ihnen bildlich ins Gesicht geschrieben. Unser großes Interesse an den Arbeiten sorgte dafür, dass die Führung ca. 15 Minuten länger als vorgesehen ging. Ein Aufruf an alle Architektur Interessierten: Fahrt nächstes Jahr mit nach Berlin und geht ins Pergamon Museum!

Dies war der einzige offizielle Punkt auf dem Tagesprogramm, wir hatten also  Zeit genug für eine Stippvisite am Alex. Das Treiben hier ist immer nett zu beobachten. Am Besten geht das bei einer China Box im Durchgang von der S -Bahn zur U2. Wer es warm mag, sollte dort unbedingt vorbeischauen ;)

Da das Theaterstück erst um 19.30 Uhr beginnen sollte, blieb auch noch Zeit für ein Power Nap. Mit der Zeit merkt man schon, dass Schlafen durchaus Sinn macht. Schläft man eine bestimmte Zeit (meist so 6 Stunden) fühlt man sich frisch und ausgeruht für die Anforderungen des Tages.

Zur Abendunterhaltung führte der Weg erneut ins Deutsche Theater. „Hedda Gabler“ wurde gespielt, ein Gesellschaftsdrama von Ibsen.

 

Donnerstag, 30.01.

So langsam neigt sich der Berlin Aufenthalt dem Ende entgegen. Ein großes Highlight ist sicher die Fahrt nach Potsdam inklusive Stadtrundfahrt  und Besuch im Sommerschloss Sans Souci. Frau Krumnow, unsere Stadtführerin freut sich immer über den Besuch aus Lippstadt . Die Stadtrundfahrt war sehr nach dem Geschmack der Studierenden, da es im Bus schön warm war.

Einen ersten Ausflug in die Kälte gab es am Schloss Cecilienhof, wo die Potsdamer Konferenz stattgefunden hat. Auch wenn wir das Schloss nicht von Innen besichtigt haben, haben wir viel erfahren. Frau Krumnow erzählte mit Leidenschaft über Churchill, das Gebäude an sich, und viele kleine Anekdoten, die Lust darauf machten, sich einmal näher mit dem Thema zu beschäftigen.

Nun ging es quer durch die ehemalige Kasernenstadt (zu fast jedem Gebäude gab es etwas zu erzählen) Potsdam zum Schloss Friedrichs des Großen. Das Problem ist, dass es ein Sommerschloss ist. Dementsprechend kalt ist es im Winter. So ging es von der Kälte in die Kälte -.-

Das Schloss an sich ist aber sehr schön und auch einen zweiten Besuch wert. Die ganze Pracht sieht man schließlich nicht alle Tage. Bemerkenswert ist, dass alles auf die Privatsphäre des Herrschers ausgerichtet ist. Einen großen Empfangssaal gibt es nicht, die Gästezimmer folgen alle dem Motto: Wer sich nicht wohl fühlt, bleibt nicht lange. Besonders beeindruckend war der Marmorsaal, welcher im Sommer angenehm frisch, im Winter aber ein regelrechter Kühlschrank ist. Dementsprechend kurz fiel auch der Spaziergang durch den angrenzenden Schlossgarten aus. Dort kann man bestimmt Stunden verbringen, ohne alles gesehen zu haben. Heute verlangte es aber alle nach Wärme. Die fand man natürlich in einem der vielen schönen Cafés in der Fußgängerzone Potsdams.

Zeit hatten wir heute  im Überfluss, da der  Abend und der morgige Tag FREI waren. Lediglich Freitagabend gab es zum Abschluss ein Theaterstück. Zum Feiern zog es  uns in einen Irish Pub am Zoo. Wer schon einmal in so einem Etablissement war, kann sich die Atmosphäre vorstellen. Sie war sehr ausgelassen.

Viel geschlafen hat auch in dieser Nacht und am folgenden Morgen niemand. Schon um 11 Uhr (ich bin der Meinung es war schon fast halb zwölf) steppte irgendwer in Stube 112 und weckte die letzten Schlafmützen. Wer das wohl war? Keine Ahnung…..

 

Freitag, 31.01.

Viel haben wir an diesem Tag nicht gemacht, einfach weil alle so kaputt waren. Es ging Richtung Zoo und just in dem Moment, als wir in die Gedächtniskirche stolperten, begann dort eine Führung. Zum einen war die kostenlos, zum anderen sehr informativ, deshalb blieben wir. Vieles kannte ich schon, aber es ist immer wieder interessant, die Bedeutung der Gestaltung der Kirche erläutert zu bekommen.

Dann ging es aber noch ins KaDeWe. Es gibt ja den Spruch „Schauen kostet nichts“, im KaDeWe gilt der leider nicht, weil die Verführungen einfach zu groß sind. Also genügend Bargeld eingepackt und los.

Das letzte Theaterstück war echt starker Tobak. Kafka traf auf die „Flodders“. Ich habe bis heute keine Ahnung, was der musizierende Typ im Pudel Kostüm sollte. Talentiert war er ja, aber was zum Teufel sollte die Verkleidung?! Im Allgemeinen waren Stil und Kostümierung sehr gewöhnungsbedürftig. Nach dem Stück war ich erst mal sprachlos. Kafka war nicht wieder zu erkennen.! Um eine Erfahrung reicher, ging es wieder Richtung Hostel. Zum Feiern waren wir einfach zu fertig. Lange hielt es uns trotz der netten Gesellschaft auch nicht an der Bar. Einige Köpfe sah ich schon wegnicken.

Also Husch, ab ins Körbchen~

 

Samstag, 01.02.

Reisetag. Endlich. Zwar ist es schade, dass die gemeinsame Zeit zuende ist, dennoch freute sich jeder auf die Heimat mit anständig viel Schlaf und Ruhe. Zum Glück waren alle, die mit in den Zug wollten pünktlich am Bahnsteig. Erneut herrschte im Abteil allgemeine Schläfrigkeit. Zwar gab es anfangs das ein oder andere Kartenspiel, doch spätestens nach der kleinen schriftlichen Umfrage was gut / nicht so gut war, döste jeder vor sich hin.

In Hamm trennten sich die Wege. Ein Teil blieb dort, der andere fuhr bis Lippstadt weiter. Ich weiß nicht was Ihr sonntags gemacht hat, aber ich hab geschlafen, geschlafen und geschlafen. Es war herrlich.

 

Danke für die hervorragende Organisation und Nachsichtigkeit bei allen entstandenen Unannehmlichkeiten …  In diesem Sinne auf bald in Berlin – wenn es wieder heißt „Ganz Berlin ist eine Bühne“ 2015
vielleicht deine~